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Briefchen - über ein bisschen Dekompensation

Hey mein Freund, na, wie ist die Lage… ? Der Mond war heute so hell auf dem Heimweg und stand genau neben der Kirche, dass ich dachte… - vielleicht weißt Du, dass heute so ein Tag mit ultra viel Redebedarf ist. Weißt Du, ich bemühe mich echt, alles irgendwie positiv zu sehen. Dankbar dafür zu sein, zurück im Job zu sein. Wieder Assistenzärztin sein zu dürfen, wieder Menschen helfen zu können, für sie da zu sein. Auch, wenn das auch manchmal bedeutet schwierige Diagnosen so zu verpacken, dass man die Menschen mit ihren Trümmern, die man soeben selbst erzeugt hat – obwohl die eigentlich schon vorher da waren, man hat sie eben nur sichtbar gemacht – aufzufangen. Aber weißt Du… - manchmal dekompensieren einfach alle da auf dieser Station. Inklusive der Oberärzte. Ich habe doppelt so viele Patienten, wie ich eigentlich haben sollte. Epilepsiepatienten, für die sich keiner zuständig fühlt. Und hätte ich nicht so viel schon selbst darüber gelernt, würde ich da ...

Der eigene Wert nach einem Suizid im Umfeld

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They say the brightest stars Are the ones that burn out first And I was quick to give my heart Turns out that you kept yours (Christina Grimme - Cry wolf)  Aus: Chis Paul - Warum hast Du uns das angetan? Ein Begleitbuch für Trauernde nach einem Suizid   Bücher lesen soll helfen.   DAS … - beschreibt den Zustand, für den ich wochenlang keine Worte gefunden habe. Mein Schweigen in den letzten Wochen in der Klinik kann man sicher vielfältig interpretieren, aber ich würde mal sagen – das ist ein Teil davon. Es ist vermutlich schwierig einem Menschen in der Situation, in der der Freund bei unserem letzten Telefonat wenige Stunden vorher gewesen sein muss, noch etwas wie rationales Denken zu unterstellen. Und vielleicht funktioniert diese Verknüpfung dann nicht mehr, von der ich gehofft habe, dass es die gibt – aber wenn man einen Menschen so unmittelbar mit dem drohenden Unglück konfrontiert, wie er das mit mir getan hat, dann sollte ein...

Ein Freitagabend

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Viertel nach neun. Am Abend. Versteht sich von selbst. 21: 15 Uhr. Als ich das Licht lösche. Die Stunden davor. 15:30 Uhr. Stroke Visite. Weil wir Stroke – Dienst haben am Wochenende, müssen wir da hin.   Nicht, dass wir Zeit dazu hätten, für eine Extra - Visite. Die Kollegin und ich. Nicht, dass ich bis dahin alle meine Patienten gesehen hätte. Geschweige denn einen Oberarzt an diesem Tag. Aber den Stroke – Unit – Oberarzt. Den sehen wir. Lauschen scheininteressiert seinen spannenden Fällen, von denen er zu berichten hat. Und gehen dann auf Visite. Die über eine Stunde dauert. Wenn wir unsere eigenen Patienten so gut kennen würden, wie jetzt die Patienten der Stroke Unit… Wären wir weiter. 17 Uhr. Endlich taucht auch mal unser Oberarzt auf. Patienten besprechen. Befunde besprechen. Ideen sammeln. Behandlungspläne aufstellen. Die kleine Kurvenvisite umsetzen. 19 Uhr. Ich hatte einem meiner Patienten schon am Mittag versprochen, dass ich nach der Röntgenbesprechung n...

Ein ehrliches Bürogespräch

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Der Alltag hat mich wieder eingeholt. Halb neun Uhr am Abend schließe ich die Tür auf. Nachdem ich dafür gesorgt habe, dass ich zumindest alle Patienten bis morgen beruhigt auf der Station liegen lassen kann. Einige Patienten sind ohne Brief gegangen in den letzten Tagen, weil zu viel Stress war. Wann ich die schreibe… - weiß ich nicht. Ein Video – EEG möchte noch angeschaut werden. Die Entlassungen für morgen sind auch noch nicht vorbereitet. Aber was kann man machen… ? Leben von Tag zu Tag. Das ist das Motto. Und vielleicht bin ich ein mini – bisschen entspannter geworden. Finde das zwar immer noch beunruhigend, aber kann Dinge bis morgen liegen lassen. Und vielleicht verlieren manche Dinge auch ihre ultimative Wichtigkeit nach allem, was in den letzten zweieinhalb Monaten passiert ist. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich Vieles relativiert.  Wenn ich abends so über den Campus laufe und mich frage, ob wir noch denselben Himmel sehen... Irgendwann zwischendu...