Über ein Wochenende

„Erster Blickkontakt
Auf ner Hausparty Mitternacht
Du warst die Neue in der Nachbarhschaft
Ey was hat Dich hierher gebracht?“

(Florian Künstler - Superman) 


Naja – Du warst der neue Kardiochirurg und auf einer Party waren wir auch nicht – aber ansonsten war das schon irgendwie ein ähnliches Ineinander rennen. 

Back to the roots. 
Ein bisschen.
Er hat das nicht größer kommentiert, dass ich mich gute zwei Autostunden von hier weg beworben habe. 
Und doch läuft es in den letzten Tagen irgendwie anders. 

Wir haben uns gesehen trotz Nachtdienstwoche. Nachdem in der Woche davor gar nichts ging und ich postuliert habe, dass ich es nicht einsehe mit Dienst am Sonntag und dann fünf 12 – Stunden – Spätdiensten hintereinander eher aufzustehen, um bei ihm vorbei zu kommen, kam er eben zum Frühstück. Nach seinem Nachtdienst und vor meinen Spätdienst. 

Da gibt es irgendwie mehr Umarmungen als früher.  Einfach mal so zwischendurch. 
Und Tage dürfen auch entschleunigter sein, wenn ich einfach müde bin. Dann liegen wir einfach mal zwei Stunden eng umschlungen auf dem Sofa und irgendwie schlafe ich immer mal wieder ein zwischendurch.

Oder dann, wenn wir unterwegs sind, biegt er einfach ab, um mir seine frühere Schule zu zeigen. Wir sind so oft durch diesen Ort gefahren, so oft ein paar Meter dran vorbei gefahren und ich habe so oft gesagt, dass ich mir wünschen würde, etwas mehr von seiner Vergangenheit erfahren zu dürfen. Er hat mir aber nie etwas gezeigt. 

Und dann kam am Freitag mal von ihm die Idee, ob wir nicht Samstagmorgen frühstücken gehen wollen. 

Ich glaube, er würde mir nie sagen, dass er nicht möchte, dass ich gehe. 
Aber irgendwie, so kurz bevor es dann nach der Hospitation nächste Woche Zeit wird Entscheidungen zu treffen, zeigt er doch, dass er kann wenn er will und dass es ihm wichtig ist. 
Das zeigt nur auch: Ich habe mich schon deutlich ausgedrückt. Er weiß schon, was ich von Beziehung will. Er hat es bisher nur nicht als nötig erachtet, das auch umzusetzen. 

Das Problem ist nur – was mache ich jetzt damit?
Kann das Kontinuität haben?

Ihr müsst noch eine Weile mit Schneebildern leben glaube ich ;)



***

Ich hatte ein gutes Wochenende. 
Samstagmorgen ist der Kardiochiurg direkt nach seinem Nachtdienst zu mir gekommen und wir waren gemeinsam im Café um die Ecke frühstücken. Ich liebe es, Wochenenden im Café zu beginnen. Irgendwie setzt es unter die Woche dann doch mal einen Strich. 
Danach habe ich ein bisschen Haushalt gemacht, war einkaufen und habe geputzt, während er ein bisschen Schlaf nachgeholt hat. Ich habe gar nicht gemerkt, dass mich in der Zeit ein Kollege angeschrieben und gefragt hat, ob ich seinen Nachtdienst vom Sonntag übernehmen kann. Bloß gut eigentlich – sicher hätte ich ja gesagt, wenn jemand krank ist, aber es ist erst mein zweites freies Wochenende in diesem Jahr und ich brauche es selbst sehr. Bis ich es gelesen hatte, hatte sich wer anders bereit erklärt. Später am Abend bin ich dann wieder rüber gefahren. Irgendwie waren wir beide ziemlich platt. Ich von meiner Spätdienstwoche – die schon anstrengend ist und ich bin die Einzige, die die eigentlich noch am Stück macht, weil ich auch die kurzen Wechsel vom Bleiben bis Mitternacht zu am nächsten Tag um kurz nach Sieben wieder da sein nicht mag – und er von seiner Nachtdienstwoche. Und nachdem sich dann Niemand von uns zum Kochen motivieren konnte, haben wir am Abend einfach Sushi bestellt. Und ehe jetzt Jemand denkt, das läuft bei uns immer so: Nein, tut es nicht. Nur nach diesen Spät-/Nachtdienstwochen von uns beiden, da passiert das tatsächlich. Während des Essens haben wir dann noch einen Film geschaut und obwohl ich sonst die Filmauswahl manchmal etwas fragwürdig finde, haben wir diesmal wirklich einen Guten gefunden. 

Sonntagmorgen ist der Kardiochirurg gegen neun aufgestanden und ich wollte dann wirklich auch aufstehen, damit er nicht wieder Kritik übt, dass wir den halben Tag im Bett verbringen. Ich bin dann aber einfach wieder eingeschlafen und erst halb elf wieder aufgewacht. Nach dem Frühstück wollten wir eigentlich in einen Tierpark fahren, aber der hatte noch geschlossen wegen der Glätte, weshalb wir einfach im Wald daneben spazieren waren. Und mit der Sonne und den wärmeren Temperaturen hat es sich heute wirklich nach Frühling angefühlt. 
Zwischendurch hatte ich überhaupt das Gefühl, dass ich das erste Mal seit Wochen wieder ein bisschen atmen kann. Es war alles mal ein bisschen leichter, was wirklich so schön zu spüren war. 
Später am Nachmittag haben wir dann einfach etwas auf den Sofa gedöst (und ich bin schon wieder eingeschlafen – da hatte es wohl Jemand nötig...) und dann ist er noch zu seinen Eltern gefahren und ich bin schon mal zu mir gefahren, habe die Wäsche gemacht und gekocht. 
Und jetzt hüpfen wir gleich gemeinsam in die Federn. 

So ein simples Wochenende – aber wirklich so, so schön. Und so sehr vermisst. 

Mondkind 

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