Rollenverwirrung und Gespräch
„Sie haben meiner Frau eine Nadel gelegt.“ Well – damit hat er jetzt angefangen; ich hätte das einfach nicht mehr thematisiert. „Ich habe wirklich den Dienstarzt gebeten, ob er das nicht machen kann, um nicht noch mehr Rollenverwirrung zu stiften, aber er meinte, er sei schwer beschäftigt.“ „Ja Mondkind – der ist immer schwer beschäftigt.“ Rollenkonflikte at its best. Er ist mein Oberarzt. Seine Frau ist meine Coaching – Frau. Ich bin Patientin bei ihr und gleichzeitig Kollegin von ihm. Und jetzt liegt sie auf unserer Station und ich werde plötzlich ihre behandelnde Ärztin. Er weiß, wie es mir geht. Sie weiß das auch. Sie weiß wahrscheinlich, dass ich, während ich ihr die Nadel lege, vermutlich immer noch darüber nachdenke, ob ich nicht lieber sterben möchte und gleichzeitig wie ein junges Reh durch ihr Zimmer hüpfe. Es ist eine Situation, in der wir glaube ich beide die Verletzlichkeit im Raum spüren und trotzdem professionell bleiben. „Wie viele Ärzte ha...