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Von einem Spätdienst

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 „Was ist wenn ich falle? Ich sag was ist wenn Du fliegst? Diese Zweifel kann Dir Keiner nehmen,  wird noch Tausend solcher Fragen geben.“   Florian Künstler in einem noch unveröffentlichen Song.    Es ist schon spät. Bis 16 Uhr war an den Tag kein einziger Patient in der Notaufnahme, aber seitdem rennen der Dienstarzt und ich eigentlich nur der Situation hinterher. Sieben Patienten kamen dann gleichzeitig innerhalb weniger Minuten und auch das übliche Abendprogramm von Patienten schlägt noch auf. Da wir nirgendwo mehr Platz haben, werden die Patienten in die letzten Zimmer der ZNA gelegt.  Und als ich gerade aus dem Patientenzimmer heraus komme und mir überlege, wo eigentlich genau die Neurologie sein soll bei einem Patienten, der immer nach dem Essen über Schwindel, Verschwommensehen und Kribbeln in den Armen klagt, sehe ich auf Höhe des Pflegestützpunktes einen Flur weiter vorne ein Bett ums Eck biegen, das von dem Kardiochirurgen und einer Pflegekraft b...

Entwicklungen und ein bisschen Wende

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Leben fühlt sich manchmal merkwürdig an.  Als wäre man mitten in einer Drehung. In sich selbst und im Außen.  Mit dem Kardiochirurgen ist es irgendwie anders geworden. Es gibt noch diese Momente, in denen ich ganz viel Wut in mir spüre darüber, dass er meistens einfach nicht mit mir kommuniziert, dass es natürlich auch diesen Sommer so ist, dass er jedes freie Wochenende mit schönem Wetter auf dem Flugplatz verbringt, dass wir nur an Dienstwochenenden überhaupt mal irgendwie zwischen zwei OPs ein bisschen Zeit miteinander verbringen können und dass wir jetzt den zweiten Urlaub hintereinander nicht zusammen verbringen – und damit auch die beiden Urlaube, die dieses Jahr planbar sind, denn wenn ich dann den Resturlaub nehmen muss, hat er keinen mehr und im neuen Job werde ich – wenn überhaupt – nur noch fünf Tage zur Verfügung haben und die sicher auch nicht planen dürfen, wann ich das gerne möchte.  Es gibt noch diesen Teil in mir, der ihn will. Der sich abends in seinen A...

71 Monate

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Mein lieber Freund,  es passiert so viel im Moment.  Und ich wünsche mir oft, dass Du noch da wärst, um all das mit zu erleben.  Mir geht es mittlerweile so viel besser, als noch vor einem Monat. Oder sogar einem halben. Weißt Du, was total schön ist: Es gibt auch Kollegen von der Arbeit, die jetzt auf mich zukommen und sagen, dass ich langsam wieder die Mondkind bin, die sie kennen. Das waren Kollegen, mit denen ich nicht mal besonders eng bin. Aber ich glaube gerade diese Menschen haben das fast am Meisten mitbekommen. Bei meinen Freunden habe ich mich ja schon noch zusammen gerissen oder mich einfach weniger gemeldet und gesagt, dass ich viel zu tun habe – das glaubt einem ja auch erstmal jeder in diesem Job. Aber ich glaube es waren auch gerade diese „einfach nur Kollegen“, bei denen die Fassade dann  eben auch gefallen ist.  Ich habe gerade so ein bisschen das Gefühl, ich grabe auch meine Persönlichkeit wieder ein bisschen aus. Wer ist denn eigentlich diese...

Von einem Wochenende

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Samstag.  Kurzfristig wurde ich auf die Geburtstagsparty von dem Freund meiner Schwester und dessen Mutter eingeladen, die zusammen gelegt und mit einer Grillparty gefeiert wird.  Erst scheue ich mich noch ein wenig zuzusagen, weil ich letztendlich auch nie Diejenige sein will, die mal wieder nur dabei ist, weil sie sonst gerade ziemlich alleine ist, aber dann beschließe ich, dass die anderen vielleicht gar nicht so gedacht haben und sage zu.  Der Freund meiner Schwester hat zwar versichert, ich soll mir jetzt keine Gedanken hinsichtlich eines Geburtstagsgeschenks mehr machen, aber ich besorge trotzdem noch eine kleine Pflanze aus dem Blumenladen für die Mutter des Freundes meiner Schwester. Immerhin ist es mein erstes Aufeinandertreffen mit der Familie und vielleicht macht es Sinn, einen bemühten Eindruck zu zeigen.  Natürlich ist es immer ein bisschen schwer neu in einer Gesellschaft zu sein, die sich schon seit Jahren kennt. Es sind noch ein paar andere Familienmi...

Zwischen Vergangenheit, Zukunft und Herrn Kliniktherapeuten

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 „ Es gibt Begegnungen, die man nicht vergisst. Unsere gehört dazu. “  - Herr Kliniktherapeut. Heute. *** An mein früheres Ich,  An Dich denk ich. Gerade. Als ich die Landstraße zwischen dem Wohnort und dem Nachbarort entlang fahre und eine Freundin in der Leitung habe, die ich damals in der Psychiatrie kennen gelernt habe.  Es ist endlich Sommer geworden und ich liebe nichts mehr, als den Sommer.  Ich denk dran, dass die Freundin und ich sich damals in Haus 14 auf einer wirklich abgeranzen Station kennen gelernt haben, auf der das Wasser in den Abflüssen stand und es bestialisch gestunken hat. Der Neubau stand damals schon auf dem Gelände, aber er war eben noch im Bau. Ich habe ihn nie von Innen gesehen, weil ich dann irgendwann einfach nicht mehr ständig in der Psychiatrie war.  Ich denk dran, dass sich unsere beiden Leben seitdem so weit entwickelt haben. Sie erzählt mir über ihren Kinderwunsch und die Behandlung und, dass sie auch vorsichtig optimistisc...

Entwicklungen

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Es ist ungewöhnlich still hier.  Was primär daran liegt, dass ich ziemlich beschäftigt bin und so überladen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.  Nach dem Urlaub gab es erstmal ziemlich viel Stress mit meiner Schwester, weil die Stress mit ihrer Beziehung hatte. (Spoiler: Es gab Eine, die war am heutigen Pfingstmontag alleine zu Hause ohne den Partner und und Eine, die war mit ihrem Freund bei der Schwiegermutter in Spe...). Naja, kurz gesagt ist bei den beiden wohl wieder Ruhe in die Situation gekommen, aber das hat mich doch sehr mitbeschäftigt.  Wer sich jetzt fragt, was mit dem Kardiochirurgen ist: An der Stelle ist ziemlich Funktstile. Ich habe kürzlich mit einer Kollegin gesprochen, die ihn ein bisschen kennt – zumindest aus Erzählungen – ihr Mann arbeitet nämlich auch in der Kardiochirurgie, die mir dann gesagt hat: „Mondkind, ich glaube, ihr werdet Euch nie trennen. Ihr werdet wahrscheinlich einfach irgendwann nicht mehr miteinander sprechen.“  Und...

Reisetagebuch #2 und Entwicklungen danach

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Ich habe das Auto so weit es geht auf der linken Spur in Richtung Leitplanke gelenkt. Alle paar Minuten geht es mal im Schneckentempo vorwärts, aber insgesamt ist viel Stehen angesagt. Irgendwann rückt das Blaulicht in der Ferne in mein Sichtfeld. Ich höre mir die Sprachnachricht vom Freund meiner Schwester an, nachdem die Situation zwischen den beiden völlig eskaliert ist und ich mir noch nicht sicher bin, ob ich umdrehen muss – wobei das schwer zu realisieren ist, weil ich morgen Dienst habe. Allerdings geht es ihr besorgniserregend schlecht und sie hat gar niemanden in ihrem Umfeld, von dem wir glauben, dass sie mit dem spricht. Währenddessen trudeln Geburtstagsgrüße vom Exfreund ein, der sich wirklich Mühe gegeben hat, eine Nachricht zu schreiben. Denn Geburtstag ist ja heute auch noch. Und auf den Kardiochirurgen – auf den warte ich, seitdem ich am Morgen um sieben Uhr das erste Mal aufs Handy geschaut habe.  Spätestens in diesem Moment des Tages frage ich mich, in was ich hie...