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70 Monate - von Urlaubsstart und den letzten Tagen

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Mein lieber Freund,  ich schreibe den Brief heute schon einen Tag eher, da ich morgen unterwegs sein werde in die Studienstadt und nicht weiß, wie viel Zeit und Lust ich am Abend noch zum Schreiben finde. (Veröffentlicht wird er freilich trotzdem erst morgen...) Ich glaube, ich war selten in unserer alten Heimat an einem Monatstag.  Es ist heute recht warm hier. 24 Grad zeigt das Thermometer und bei Dir war schon immer ab 25 Grad die Toleranzgrenze erreicht. Deswegen mochtest Du auch den Sommer nicht und ich habe Dein „Mondkind es ist schon wieder zu warm“, immer noch in den Ohren.  Gestern habe ich übrigens eine richtig coole Fahrradtour gemacht. Ich wollte etwas mehr Sport machen dieses Jahr und bei diesem Weg muss man nicht groß nachdenken, sondern einfach nur fahren. Genau an der Mitte der Wegstrecke ist auch ein Supermarkt – wenn man dann abends noch einen Salat oder irgendetwas in der Richtung essen möchte, kann man sich das auch direkt mitnehmen.  Mittlerweile...

Das erste Konzertwochenende

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Wochenende.  Das gefühlt erste Wochenende dieses Jahr, an dem überhaupt mal etwas sinnvolles passiert ist, das ein bisschen dazu beitragen könnte, die Akkus wieder aufzuladen.  Tatsächlich war es ungefähr so, wie Johannes Oerding es auf seinem Konzert dann später auch gesagt hatte: Einfach mal alle Sorgen vergessen – die kommen früh genug zurück und die Zeit genießen. Freitagabend habe ich noch flott den Haushalt gemacht – man weiß ja nie, wann man Sonntag wieder hier ist (im Endeffekt war das eine sehr gute Idee...) - ehe ich am Samstag sehr früh aufgestanden bin und in Richtung Hannover gefahren bin. Die Tour war schon eher anstrengend. Da die Autobahn ein größeres Problem hatte, bin ich die letzten hundert Kilometer Landstraße gefahren.  Meine Schwester kam aus der anderen Richtung angefahren. Wir hatten uns im selben Parkhaus nahe der Innenstadt von Hannover verabredet und am Ende kamen wir wirklich fast genau gleichzeitig an. Ich war schon mal in Richtung Ausgang gel...

Vom Ende der Arbeitswoche

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Es kommt immer irgendwann der Moment, an dem man wieder spürt, wie man anfängt wieder im Takt der Welt zu atmen. Zumindest punktuell. Vielleicht ist es das Wochenende, das vor mir liegt, das das erste Freie seit langer Zeit sein wird und mit einem – hoffentlich – wunderbaren Konzert zusammen mit meiner Schwester verbracht werden wird. Vielleicht liegt es an den Antidepressiva, die langsam endlich wirken. Oder auch daran, dass ich mich nicht mehr so alleine fühle, weil ich wieder spüren darf, dass es Menschen gibt, die mit mir gehen. Und vielleicht ist es auch der Frühling mit den helleren Tagen, dem frischen Grün auf den Bäumen, den ersten Blüten des Jahres. Und wahrscheinlich ist es von allem ein Bisschen. Und je nachdem, wie lange es vorher schwer war, grau und trüb, desto schöner ist dieser Moment. Und aktuell spüre ich einfach nur eine tiefe Dankbarkeit.  Und ich weiß, das ist alles andere als stabil derzeit. Das dauert noch. Aber für den Moment ist es okay, für den Moment ist ...

Happy Birthday to Heaven

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Mein lieber Freund,  zuerst mal: Alles Liebe zu Deinem Geburtstag. Möge es ein schöner Tag für Dich werden – wo immer Du ihn auch feierst.  Geburtstag heißt übrigens auch, dass wir gestern vor all diesen Jahren ineinenader gerannt sind. Gestern vor 11 Jahren haben wir einen Spaziergang durch die Studienstadt gemacht, der sich letztendlich über Stunden ausgedehnt hat und dann haben wir unsere Nummern ausgetauscht. Du hast mich gefragt, ob Du sie haben kannst. Und am Ende, nachdem sich unsere Wege getrennt haben, war ich ganz verwirrt. Wie kann denn ein Mensch an mir interessiert sein, wo mein Leben doch zu dem Zeitpunkt ein einziges Chaos war? Es war ein holpriger Start mit uns – was eher an unser beider Schüchternheit lag. Fast hätten wir uns aus den Augen verloren und sind ein paar Wochen später in der Bahn nochmal aufeinander gestoßen. Ich glaube, ich hatte bis dahin selten Tränen in den Augen, wenn ich einen Menschen gesehen habe. Aber bei Dir – bei Dir war das damals in de...

Wochenverlauf

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Mittwochmorgen.  Wahrscheinlich muss ich schon völlig erledigt aussehen, als ich auf meinem Stuhl im Arztzimmer sitze.  Es ist mehr als grenzwertig. Ich habe so sehr Magenschmerzen, dass ich es kaum auf die Arbeit geschafft habe. Und ich habe vergessen, wie sedierend einige Antidepressiva sein können.  Obwohl das für meinen Magen sicher nicht die beste Idee ist, muss ich mir auf der Station als erstes Mal einen Kaffee besorgen. Schon den zweiten heute Morgen. In der Hoffnung, dass das irgendetwas besser macht.  Die Kollegen versorgen mich mit Pantoprazol und Kamillentee. Nachdem wir gestern mal gut besetzt waren, sind wir heute nur noch 50 % der Besetzung von gestern und rocken die Station zu Zweit. Und obwohl genug Zeit war, hat mein Kollege es nicht mal geschafft, seine EEGs auszuwerten.  In der Visite darf ich mich in jedem Zimmer setzen und muss auch nur die Hälfte der Patienten mitlaufen. Einen Patienten muss ich noch vor dem Mittag punktieren.  Mittag...

Zwischen Fallen und Auffangen

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Atmen.  Einatmen. Ausatmen. Weitergehen.  Dankbar sein.  Die letzten Tage waren krass.  Ich fange meistens erst am um Hilfe zu bitten, wenn die Hütte dann richtig brennt. Und wenn das dann – verständlicherweise – nicht sofort funktioniert, dann ist manchmal wirklich die Frage, wo es dann auch mal zu spät ist.  Irgendwie habe ich mich über das Wochenende gezogen.  Der Dienst hat mich immerhin auch ziemlich eingespannt; ich hatte zehn Aufnahmen und dann gab es mehr als 24 Stunden nach der DSA – Intervention noch eine akute Blutung in der Leiste auf der Station, die im Verlauf auch notfallmäßig in den OP musste. Und natürlich ist genau die Patientin aus dem Bett gefallen, bei der das in besonderem Maß nicht hätte passieren sollen.  Und da ich mit all meiner Dokumentation am Samstag nicht fertig geworden bin, war ich am Sonntag auch nochmal auf der Arbeit.  Das hat mich dann genug abgelenkt. Für Montag war ich dann mit meinem Oberarzt zum Sprechen ver...

Weil ein kleiner Satz...

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Man versucht die Tage zu überleben.  In all dem Rückzug die Menschen raus zu fischen, die jetzt noch helfen könnten.  Und ja – ich habe es schon irgendwo kommen sehen. Über die letzten Monate.  Mittlerweile können Nuancen die Situation zum Kippen bringen.  Freitagnachmittag.  Ich überlege fieberhaft, ob ich das bringen kann, meinen Oberarzt anzurufen. Vielleicht störe ich ihn und ich hatte ihm auch schon vor ein paar Tagen geschrieben und außerdem war ich bei seiner Frau – vielleicht soll ich einfach mal den Schnabel halten. Vielleicht hat er keine Lust auf mich, vielleicht denkt er sich, ich soll endlich aufhören zu nerven.  Es gibt aber kaum noch Menschen, die wissen wo ich aktuell gedanklich bin und das meiste das sie sagen, ist deshalb auch nicht hilfreich.  Und ich habe das Wochenende vor der Nase. Es ist kurz vor 16 Uhr, als ich seine Nummer wähle. „Jo... - was ist los?“ „Störe ich? Sind Sie noch auf Nachmittagsvisite oder schon beim Ablug nach H...