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Gespräche im Dazwischen

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Freitagmittag.  Vor dem Spätdienst.  Wir sitzen in seinem Büro. „Eigentlich dachte ich, die Sache wäre jetzt mal durch, aber aus irgendwelchen Gründen ist die Personalabteilung jetzt doch mal aus dem Tee gekommen und hat mir gesagt, dass ich ab Sommer in der Psychosomatik anfangen könnte zu arbeiten“, erkläre ich. „Und jetzt geht das wieder von vorne los.“ Wir sind eine Weile still.  „Ich bin jetzt halt die Erste, die sich bewegt und das kann halt auch schief gehen. Vielleicht soll man keine Indizien für Garantien mehr suchen, sondern das einfach akzeptieren“, erkläre ich. „Meine Schwester hat mir jetzt auch schon gesagt, dass das natürlich etwas an ihrer Idee hierher zu ziehen oder eben auch nicht ändern könnte, wenn ich jetzt gehe. Aber letztendlich steht das seit zwei Jahren im Raum und da bewegt sich nichts. Ich könnte auch am selben Krankenhaus Oberärztin werden wie das, an dem sie anfangen will zu arbeiten – das hat man mir jetzt proaktiv angeboten. Letztendlich hab...

68 Monate

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Mein lieber Freund,  der Frühling kommt. Endlich.  Die Tage sind schon wieder länger und nach meinen Spätdiensten Ende Februar, war es plötzlich morgens hell auf dem Weg zur Arbeit. Die ersten Schneeglöckchen und Krokusse bahnen sich langsam ihren Weg durch die Erde ans Licht. Und so sehr ich den Schnee auch liebe, aber gerade freue ich mich sehr über die ersten wärmeren Sonnenstrahlen, die irgendwie auch das Gemüt ein bisschen wärmen.    Und dennoch war März auch der Monat, in dem Du dann in die Psychiatrie gekommen bist, in der Du beinahe warst, bis Du gestorben bist.    Es ist viel passiert seit dem letzten Brief.  Und ich frage mich manchmal, was Du machen würdest. Und, ob Du stolz auf mich wärst?   Es war schwierig hier zuletzt. Ich bin weder privat noch beruflich so richtig weiter gekommen. Und irgendwie ist es nicht das erste Mal in meinem Leben, dass Entscheidungen sich „an mir vorbei formiert“ haben. Natürlich bin ich diejenige, die sie t...

Vom Bleiben im Gehen

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Donnerstagabend.  Es ist der letzte Abend, an dem wir irgendetwas hätten besprechen können. Und auch, wenn ich nicht wirklich daran glaube, dass wir uns als Paar nochmal damit auseinander setzen, was ein Jobwechsel in eine Stadt etwa 200 Kilometer von hier entfernt bedeuten würde, hoffe ich doch, dass es statt findet. Es muss ihn doch interessieren. Es geht doch uns beide etwas an. Es wird diese Beziehung verändern. Auf irgendeine Weise.  Aber statt einer Auseinandersetzung schläft dieser Mensch, der kürzlich noch postuliert hat, er habe nichts mehr von seinem Tag, wenn ich um 22 Uhr ins Bett möchte, straight auf meinem Sofa ein. Da ist nichts mehr zu wollen.  Freitag. Dienst. Es gibt Momente, in denen glaube ich ans Universum. Ich kann viel arbeiten in diesen Diensten und manchmal mag ich das sogar. Aber nicht heute. Mein Kopf dröhnt seit Tagen, ich mache alles nur noch mit halber Konzentration. Ich bete, dass es ruhig bleibt. Und es bleibt ruhig. Zwar kommen kleckerweis...

Von Unterstützung bei der Entscheidungsfindung

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Ich kann nicht sagen, wie dankbar ich bin, dass ich genau in diesen Tagen noch einmal meine ehemalige psychosomatische Oberärztin treffe. Wir haben uns nach der Facharztprüfung noch einmal gesehen und wollten uns eigentlich auch regelmäßiger treffen, aber dann hatte erst sie viel Stress, dann hatte ich im Januar praktisch jedes Wochenende Dienst – und dann ist es eben jetzt geworden. Jetzt. Kurz nach der Hospitation. In diesen wenigen Tagen, in denen so wichtige Entscheidungen anstehen. Sie wartet schon auf dem Parkplatz, auf dem wir uns treffen wollten. Endlich lernt sie auch mal das Möhrli mit dem Florian-Künstler-Aufkleber hinten drauf kennen. Nachdem wir uns begrüßt haben, steige ich zu ihr ins Auto, denn sie wollte mir ja schon lange ihre Praxis zeigen. „Es tut mir leid – es riecht hier ein wenig nach Pferd“, entschuldigt sie sich. „Es ist doch schön, mal wieder Pferd in der Nase zu haben“, postuliere ich. „Meine Kinder beschweren sich immer“, entgegnet sie. Der Weg ist nicht weit...

Arztzimmergespräche

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Wir sitzen nebeneinander. Die Kollegin und ich.  Ihr Handy klingelt. Sie fragt, ob es dem Kind gut geht. Ehe die Planung offensichtlich in Richtung Feierabend geht. „Lass uns doch irgendwo etwas essen gehen“, sagt sie. Auf ein Lokal einigen können die beiden sich scheinbar nicht, denn wenig später entscheiden sie, dass er nochmal einkaufen geht und etwas kocht.  „Mondkind – ist das hier was im EEG?“, fragt sie eine halbe Stunde später.  Als wäre ich der EEG – Guru...  „Ich denke das sind Pulswellenartefakte“, entgegne ich, als ich mich ein bisschen durch das EEG klicke. „Guck mal, das kommt immer korrelierend mit der EKG – Zacke.“ Ihr Handy klingelt schon wieder und ich rücke mit meinem Stuhl wieder vor meinen eigenen PC. Jetzt ist er beim Einkaufen und findet irgendetwas nicht. „Geh mal ganz nach hinten und schau dann rechts in den Regalen, okay? Und sonst bring einfach etwas anderes mit“, sagt sie.  Ich schmunzle vor mich hin.  Irgendwann legt sie wieder ...

Desillusionierung zum Wochenstart

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„Mondkind, wieso hast Du so schlechte Laune heute? Kannst Du nicht mal lachen?“ „Ich geb mir Mühe...“ Die Pflege hat mich auf dem Flur angehalten. Und während ich versuche meine To Do's ohne spitze Kommentare oder Nervenzusammenbrüche abzuarbeiten denke ich mir, dass die letzten Tage doch wieder zu schön waren und eben doch nicht die Realität sind.  Montag hatte ich Spätdienst.  Angeblich konnte diesen Dienst Niemand der Kollegen machen, sodass er am Ende mir zugeschoben wurde. Ramadan (ist der überhaupt schon), Kinderbetreuung, Facharztvorbereitung – irgendeine Ausrede hatte jeder. Man kann es ja nochmal versuchen, dachte ich mir. Kann ja auch mal gut gehen. Arbeitsschluss ist je nach Arbeitsaufkommen immerhin zwischen 21 Uhr und 23:30 Uhr.  Es ging aber nicht gut. Um 23 Uhr waren immer noch sechs Patienten in der Notaufnahme, drei davon ungesehen und ich würde ja am nächsten Morgen wieder um 07:30 Uhr auf der Arbeit sein müssen. Gegen Mitternacht konnte ich mich abseile...

Hospitation und Überlegungen

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Irgendwie habe ich mir überlegt, ob ich ein bisschen Stille auf dem Blog walten lasse, bis ich selbst zu Entscheidungen gekommen bin.  Ich habe mich allerdings entschieden, doch ein paar Worte hier zu lassen.  Letzte Woche war ich zwei Tage lang gute drei Autostunden von hier entfernt und habe mir eine andere psychosomatische Klinik angeschaut. Und vielleicht hat ein Teil von mir gehofft, dass es gar nicht so cool sein möge, damit ich hinterher nicht in dem Konflikt stecke, in dem ich jetzt eben doch bin.  Denn ehrlich gesagt, war es ziemlich cool. Kliniken sind selten organisiert, aber die waren es. Zwar wurde der Hospitationsplan auch nochmal etwas abgeändert aufgrund von Abwesenheiten, aber das hatten die schon erledigt, bevor ich kam. Ich habe also ein Namensschildchen und einen neuen Plan ausgehändigt bekommen und dann ging es los.  In den zwei Tagen durfte ich in Therapiegruppen, Therapiebesprechungen, oberärztliche Visiten und in die Visite einer der leitenden...