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Psychosomatik 1.0 ?

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Ich dachte, ich lasse Euch mal ein kleines Update da. Es gäbe viel zu erzählen. Die Dienste sind wirklich heftig geworden; mittlerweile lysieren und thrombektomieren wir in jedem Dienst. „Unter 10 Aufnahmen fängt die Mondkind doch gar nicht erst an“, kommentierte letztens ein Oberarzt meinen Dienst. Neben der Arbeit ist das Leben wirklich sehr still geworden. Und das ist nicht nur die Erschöpfung nach dem Dienst – es ist eine generelle Erschöpfung, die mich nach der Arbeit auf das Sofa trägt und mich nicht mehr aufstehen lässt, bis es Zeit ist, ins Bett zu gehen. WhatsApps werden nur noch spradisch beantwortet, Anrufe die nicht zwingend wichtig sind, werden nicht getätigt. Auch der Blog ist sehr ruhig geworden und trägt nicht mehr den Spirit in sich, den er mal hatte. Spiegelt nicht mehr das Zwischenmenschliche, das man so oft in den Texten zwischen den Zeilen gefunden hat. Die Sonne erreicht das Herz nicht mehr, selbst die guten Momente kann ich nicht leben, weil ich viel zu ersch

Reisetagebuch #4 Atmen

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Eigentlich kann man das nicht mehr Reisetagebuch nennen, weil der Urlaub schon vorbei ist. Ich bin seit ein paar Tagen wieder hier und seit heute auch wieder im Job. Ruhe um alles zu verarbeiten ist allerdings erst seit gestern Mittag, davor war meine Schwester noch hier. Ich hatte weder Zeit zum Bloggen, noch habe ich vernünftige Worte im Kopf, aber ich dachte, ich lasse Euch trotzdem mal ein Update da. Obwohl der Freund schon ein paar Briefe bekommen hat zwischendurch. Im Galopp durch die Stadt. Vorbei an allen möglichen Orten, die Erinnerungen tragen. Und selbst die Erinnerungen von Orten an denen ich nicht war, werden wach. Das erste Zusammentreffen zwischen dem Freund und mir. Ich weiß noch genau; ich habe die schwarz – weiß karierte Bluse und eine beige Strickjacke darüber getragen. Immer wieder habe ich ihn gebeten von diesem ersten Treffen zu erzählen, weil ich bis heute nicht weiß, was er an dieser Situation, in der ich zerbrechlicher nicht hätte sein können, attraktiv gefu

Reisetagebuch #3 Labor und Therapie

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Dienstag. Es regnet heute Morgen. Und der Fahrticketautomat ist auch kaputt, also gibt es ein paar Schwierigkeiten, ehe ich los komme. Heute aus einer anderen Richtung. In Teilen der altbekannte Weg zur Uni. Ich springe in dem Stadtteil in dem der Freund und ich unser erstes Café – Date hatten aus dem Regionalexpress, rase die Treppen runter und meine Augen fallen sofort auf die orange Schrift auf schwarzem Hintergrund. Ich suche die Bahn, die ich nehmen möchte. „Sofort“ steht dahinter. Ich rase weiter, bei tiefgelb über die Ampel und hüpfe in die Straßenbahn. Vorbei an einer Straße, in der ich mir vor langer Zeit   mal eine Wohnung angeschaut habe, vorbei am alten Arbeitsplatz von dem Freund, der am Weg liegt und dann steige ich an den Uni – Kliniken aus. Vorbei geht es an der neuen Chirurgie, wo ich einen Teil meines Chirurgie – Tertials gemacht habe. Vor der Medizinerbibliothek stehen wieder Fahrräder, meines ist auch noch da, auch wenn ihm mittlerweile alle Lampen fehlen und das

Reisetagebuch #2 Zurück an den Fluss

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Es ist ganz früh morgens, als ich das erste Mal aufwache. Und nach einem Blick auf den Wecker schon die Tränen in den Augen spüre. Weine, bis ich erschöpft bin. Und nochmal kurz weiter schlafe, bis ich endgültig aufwache. Mehr als zwei Jahre war ich nicht mehr hier. Für einen Augenblick sehe ich mich selbst hier sitzen in diesem Raum, in den mich groß geworden bin. Träume vor der Heizung spinnen. Die Ferne soll die Lösung sein. Der Ausbruch aus den Strukturen, die zu eng waren. „Wichtig ist, dass Sie sich bis nach dem Studium nicht das Leben nehmen. Dann wird es besser, das verspreche ich Ihnen.“ Worte meines ersten Psychiaters vor langer Zeit. Er wusste nicht was er sagen sollte, als wir uns letztes Jahr gesehen haben. Und ich wusste es auch nicht. Was haben wir gemacht? Vielleicht war die Ferne für mich die Lösung. Den Freund hat es vielleicht das Leben gekostet. Habe ich genug an den Schmerz der anderen gedacht? Ich wusste nicht wie ernst es ist, als wir die letzten Gespräche dar

Reisetagebuch #1

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Das vorherrschede Gefühl heute ist Müdigkeit. Die Nacht war kurz. Ich habe lange mit dem Packen gebraucht und dann unruhig geschlafen. Es ist komisch. Die Wohnungstür wieder für ein paar Tage hinter mir zu zuziehen. Die Nacht nicht weg zu sein, für einen Dienst. Bahnhof im Dorf. Leider steht dort heute ein sehr langer Zug, der Baumstämme geladen hat. Das versperrt die Sicht auf die Saalewiesen, auf denen der Nebel hängt. Den die Sonne bald ganz langsam auflösen wird. Es warten erstaunlich viele Menschen an diesem Samstagmorgen auf einen Zug. Wenn man den Gesprächen der Gruppen so lauscht, haben die meisten irgendetwas mit dem Campus zu tun. Ist schon ein Medizin – Dorf hier. Bahnhof in der nächst größeren Stadt. Sonst bin ich hier immer irgendwann spät abends aus dem Zug gefallen. Ich trete vor die Tür. Heute morgen stehen hier so viele Menschen   und selbst am hellichten Tag dauert es nicht lange, bis mich irgendwer von der Seite anquatscht und Geld für eine Fahrkarte braucht. „Mon