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Von Chefgespräch und Bindungen

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Die Wohnungstür ist nicht abgeschlossen.  Das heißt, er hat sie einfach zugezogen.  Als ich die Tür öffne, sehe ich den Schlüssel auf der Kommode liegen. Ganz vorne. Das blaue Bändchen, das immer daran hängt, oben drauf gelegt.  Es war eine der Nächte, die man in diesen zweieinhalb Jahren an einer Hand abzählen kann. In denen er hier geschlafen hat. Eigentlich sind das bisher immer Rufdienst – Nächte gewesen. „Nimm den Schlüssel mit morgen früh, damit Du auch mal rein kommst, wenn ich nicht da bin“, hatte ich ihm am Vorabend gesagt. Natürlich hatte in dieser Nacht das Telefon geklingelt. Das passiert immer zwischen zwei und drei Uhr morgens. Dann rast er los, nimmt auch den Schlüssel mit und kommt dann zwei oder drei Stunden später im Regelfall wieder. Legt sich wieder hin und kann morgens länger schlafen als ich, denn wer nachts geweckt wurde, muss frühs nicht auf die Arbeit.  Aber wenn er dann geht, lässt er den Schlüssel immer hier. Ich nehme ihn in meine Hand, er...

Auf zu neuen Ufern?

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Vielleicht hatte ich vor allem das jetzt kommen wird genau so viel Angst, wie ich auch Hoffnung hatte.  Dass ich am Abend um 22:10 Uhr die Bewerbung über das Onlineportal hochlade und mich am nächsten Morgen um kurz nach 11 Uhr die Sekretärin anruft und ausrichtet, dass der Chef gern einen Termin mit mir machen würde, ist ein fraglicher Luxus. Viel Verzweiflung bei einer der führenden Psychosomatiken in Deutschland? Oder ein fragliches Glück, das ich da gehabt habe, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.    Dinge wiederholen sich.  Ob das damals wirklich eine bewusste Entscheidung war, ein echtes Ja war in den Ort in der Ferne zu gehen, weiß ich nicht. Der Preis war hoch. Die Ungewissheit, ob das alles so klappen würde, war immens. Ich wusste, dass ich erstmal Menschen zurücklasse, die mir sehr am Herzen liegen.  Aber es gab auch keine andere Wahl mehr. Die Situation in der alten Heimat war so untragbar geworden, dass ich erstmal weg musste. Und damit eben...

Wochenüberblick

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Greetings from the sofa. Den einzigen Tag der Woche, an dem ich hätte mal irgendetwas tun können, lag ich so halb krank auf dem Sofa. Ich hoffe, dass es bis morgen nicht schlimmer wird – ich bin nämlich alleine auf einer vollen Station nach dem Wochenende. Dass wir dort aktuell einen Norovirus – Ausbruch haben, macht die Sache aufgrund von Zusatzarbeit nicht unbedingt besser. Aber hey – zumindest habe ich keinen Noro – Virus. Bis jetzt zumindest. Und kein Fieber. Einfach nur normal erkältet. Spaß macht das trotzdem nicht.  Mittlerweile schon letzte Woche Freitag.  Meiner Schwester geht es nicht gut. Eigentlich habe ich sie so noch nie erlebt. Und sie sich wahrscheinlich auch nicht. Die Idee, andere Menschen zu involvieren, klappt auch nicht. „In solchen Situationen müssen Sie die Verantwortung auf mehrere Schultern stellen“, hatte ein ehemaliger Oberarzt aus der Psychosomatik mal zu mir gesagt. Diese Schultern muss man nur erstmal finden. Montag. Vielleicht hat man bisher geho...

Entwicklungen

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Seitdem wir letzten Dienstag in der Studienstadt waren, war es ein einziges Dienstchaos. Jeden Tag hatte ein anderer Dienst, wir haben uns mehr im Krankenhaus gesehen, als irgendwo anders (und wurden im Neuro – Pausenraum vom Unfallchirurgen überrascht) und Zeit und Gelegenheit den Termin bei Frau Therapeutin nochmal nachzubesprechen gab es immer noch nicht.  Gestern hatte der Kardiochirurg dienstfrei und nach einem späten Frühstück, sind wir dann ein bisschen ins schneereiche Umland gefahren. Vom Prinzip her war das auch schön und trotzdem ist ja immer einer von uns nicht so richtig zurechnungsfähig.  Und am Ende bleibt doch die Frage, ob das jetzt wirklich alles sein soll. Ist das alles, was an Beziehung geht? Die Tage unter der Woche sind immer ein einziger Stress, weil der Kardiochirurg nicht vor Mitternacht ins Bett geht, während ich in den Seilen hänge, wenn ich das zwei Tage hintereinander so mache. Im Prinzip fällt der Stess erst ab, wenn es einigermaßen vor 22:30 Uhr ...

Von einem Besuch in der Studienstadt

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Es ist irgendwann morgens.  Kaum verlassen wir das Bundesland, gleiten wir in einen geschäftigen Alltag. Dorthin, wo alles normal ist.  Nicht so still wie bei uns.  Es kommt selten vor, dass hier bei uns weniger Schnee liegt, als an jedem Ort zwischen der Studienstadt und hier. Deshalb hatte ich mich auch wenig damit auseinander gesetzt. Ich wusste, in der Studienstadt hat es auch geschneit. Aber wie die Straßen dazwischen aussehen – darüber hatte ich mir wenig Gedanken gemacht.  Sagen wir es so: Der Schneepflug ist mehrfach auf der linken Spur gefahren und mein Scheibenwischwasser war am Ende auch fast leer. Studienstadt. Wir stellen das Auto auf P5 ab. P5 im Schnee. Seltener Anblick.  Ich wünschte, ich hätte den Freund unter anderen Umständen her gebracht.  Ich wünschte, wir hätten mehr Zeit, denn das Herzstück der Stadt ist nicht die Uni, sondern  der Fluss.  Und dennoch hat sich hier gefühlt alles abgespielt, was in meinem Leben der letzten ze...

66 Monate

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Mein lieber Freund,  Heute ist schon wieder Monatstag. Allerdings haben wir uns ja gerade erst gehört.  Sag mal hat bei Dir zum jahreswechsel noch Deine Kerze gebrannt? Ich finde es jetzt im Nachhinein echt so schön, dass es noch geklappt hat und ich bei Dir sein konnte – auch wenn es ein stressiger Tag war. Aber es ist doch immer auch etwas Besonderes, viel Verbindung, viele Erinnerungen – auch daran, wie schön es ist, einen Menschen, mit dem man sich blind versteht, so nah neben sich gehabt zu haben. Jetzt hat es endlich auch das erste Mal bei uns wirklich geschneit. Hach ja – da kommt das Kind in mir immer noch durch. Ich habe mich einfach so über den Schnee gefreut – nur leider muss ich ja genau ab jetzt wieder arbeiten; da ist nicht viel mit Schnee genießen.    Ansonsten wird der Januar noch interessant. Am Dienstag fahre ich nochmal in die Studienstadt und besuche Frau Therapeutin. Kennst Du die eigentlich überhaupt? Hast Du sie je gesehen? Naja, in jedem Fall ...

Vom Jahreswechsel

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Ein frohes neues Jahr 2026 wünsche ich allen Lesern.  Möge es ein gutes Jahr werden mit viel Gesundheit, glücklichen Momenten, positiven Veränderungen und viel Zeit mit den liebsten Menschen.  Der Jahresrückblick ist leider nicht fertig geworden. Und wenn er das bis Sonntagabend nicht wird, wird das glaube ich auch nichts mehr. Der Januar wird diensttechnisch jetzt erstmal echt arbeitslastig – da wird wenig Zeit für Geschreibselarbeit sein, für die man dann auch viel Ruhe braucht.  Die letzten Tage waren nochmal wild.  Nach Weihnachten habe ich erstmal meinem Intensiv – Oberarzt ein bisschen von meinem Weihnachtsfest erzählt. Ein bisschen von der Shit – show berichtet, zu der das Ganze dann noch mutiert ist. Und weil man ja mittlerweile doch ab und an den richtigen Riecher hat, habe ich am Ende geschrieben: „Und jetzt fragen Sie nicht nach einem Plan für Silvester. Es gibt keinen bisher. Würde mich jetzt auch nicht wundern, wenn da nicht doch noch ein Dienst ums Eck ...