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Reisetagebuch #2

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Freitag. Es ist noch früh am Morgen, als die Sonne meine Nase kitzelt. Ich habe die erste Nacht in der neuen Wohnung geschlafen und ehrlich gesagt – dafür, dass ich auf einer Luftmatratze auf dem Boden geschlafen habe, hatte ich eine echt entspannte Nacht. Immerhin knapp sechs Stunden Schlaf. Ich hatte am Tag davor einen Eiskaffee mitgebracht und eine Banane. Gestern Abend habe ich den Kühlschrank über die Nacht in Betrieb genommen. So kalt ist der jetzt nicht geworden – ich hoffe es liegt an der kurzen Laufzeit und nicht am Kühlschrank allgemein, aber ich freue mich über einen zumindest halbwegs kühlen Eiskaffee und eine Banane, die ich auf dem Balkon esse.  Danach räume ich meine Sachen wieder zusammen. Allerdings geht genau als ich das Auto einräumen möchte ein Wolkenbruch los, weshalb ich das etwas verschiebe und mich dem Schreibseln widme.  Gegen 11 Uhr breche ich auf in Richtung Studienstadt. Eigentlich sollte die Fahrtzeit zwei Stunden betragen und ich wollte eigentlich...

Reisetagebuch #1

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 Donnerstag. Ab heute habe ich Urlaub. Ich habe noch zwei AZV – Tage an den Urlaub dran hängen dürfen – ausnahmsweise natürlich nur. Wahrscheinlich, weil es der letzte Urlaub an meiner alten Klinik ist – ab Mitte September irgendwann werde ich dann nur noch den Resturlaub verbrauchen. Ich muss das nochmal ausrechnen lassen, wie viele Tage das dann noch sind.  An diesem Morgen bin ich noch ziemlich beschäftigt. Denn überall wo man ein Problem auch nur erahnen könnte, gibt es ein Problem. Erstmal fällt mir siedend heiß ein, dass man bei mehreren Tagen über 30 Grad vielleicht die Gießanlage auf dem Balkon aufbauen sollte. Zwar vermute ich, dass die Gurken das trotzdem nicht witzig finden und frage parallel den Kardiochirurgen ob er – wenn er schon mal hier ist – eins, zwei Mal zum Gießen kommen könnte. Aber mir ist schon klar, dass ich mir die Frage vom Prinzip her auch sparen kann.  Während des Aufbauens entdecke ich dann, dass meine vor wenigen Wochen gekaufen Hyazinthe vo...

Von einem Coaching - Termin

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Weil ich dich brauch' Man, das kann doch nicht sein Dass du wieder schreibst Und nach all der Zeit Tipp' ich wieder deine Nummer ein Ness - Deine Richtung  ***  Montagmorgen. Frühbesprechung.  Nachdem alle Übergaben von den Wochenenddiensten gelaufen sind und der Chef uns schon an die Arbeit schicken möchte, kommt ihm doch noch in den Sinn, dass wir ja Präventionstag hatten. Zumindest werde ich in der Frühbesprechung nochmal im Helferteam erwähnt und es wird auch hervorgehoben, dass ich erst beim Präventionstag war und danach noch in den Nachtdienst gegangen bin. Ich habe zwar schon gehofft, dass ich mir die Stunden als Überstunden aufschreiben darf – aber letzten Endes ist sowieso auch unklar, was mit den ganzen Überstunden passiert. Aber zumindest möchte ich auch nochmal mein Engagement unterstreichen. Wie mit einem Textmarker leuchtend hervorheben, dass hier nicht irgendwer geht. Ich wäre so gern hier geblieben, wenn die Neuro und die Psychosomatik zusammen sich ein...

Von Präventionstag und Vielleicht in der Beziehung

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 Am Samstag war Präventionstag bei uns am Campus. Eigentlich wollte ich nur eins, zwei Stündchen zum Aushelfen kommen, weil ich danach auch noch Nachtdienst haben würde, aber da sich sonst Niemand aus der Assistentenriege gemeldet hat, bin ich dann doch sechs Stunden da geblieben.  Die Neurologie hat Doppleruntersuchungen der Halsgefäße angeboten und das war das, was ich sechs Stunden ununterbrochen gemacht habe. Und ehrlich gesagt: Es war richtig schräg. Unser Zelt stand praktisch direkt neben der kleinen Bühne, auf der ein DJ engagiert war und der hat gar keine schlechte Musik gemacht für meinen Geschmack. Allerdings war es beinahe so laut, dass man sein eigenes Wort kaum verstanden hat.  Vor unserem Zelt stand eine lange Schlange und irgendwie wollten ja alle zu mir und dass ich mir zwei Minuten im Schnelldurchlauf die wichtigsten beiden Gefäße anschaue.  Und während ich Einen nach dem Anderen geschallt habe, mein Fuß im Takt  der Musik gewippt ist und mir zw...

Von einem Spätdienst

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 „Was ist wenn ich falle? Ich sag was ist wenn Du fliegst? Diese Zweifel kann Dir Keiner nehmen,  wird noch Tausend solcher Fragen geben.“   Florian Künstler in einem noch unveröffentlichen Song.    Es ist schon spät. Bis 16 Uhr war an den Tag kein einziger Patient in der Notaufnahme, aber seitdem rennen der Dienstarzt und ich eigentlich nur der Situation hinterher. Sieben Patienten kamen dann gleichzeitig innerhalb weniger Minuten und auch das übliche Abendprogramm von Patienten schlägt noch auf. Da wir nirgendwo mehr Platz haben, werden die Patienten in die letzten Zimmer der ZNA gelegt.  Und als ich gerade aus dem Patientenzimmer heraus komme und mir überlege, wo eigentlich genau die Neurologie sein soll bei einem Patienten, der immer nach dem Essen über Schwindel, Verschwommensehen und Kribbeln in den Armen klagt, sehe ich auf Höhe des Pflegestützpunktes einen Flur weiter vorne ein Bett ums Eck biegen, das von dem Kardiochirurgen und einer Pflegekraft b...

Entwicklungen und ein bisschen Wende

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Leben fühlt sich manchmal merkwürdig an.  Als wäre man mitten in einer Drehung. In sich selbst und im Außen.  Mit dem Kardiochirurgen ist es irgendwie anders geworden. Es gibt noch diese Momente, in denen ich ganz viel Wut in mir spüre darüber, dass er meistens einfach nicht mit mir kommuniziert, dass es natürlich auch diesen Sommer so ist, dass er jedes freie Wochenende mit schönem Wetter auf dem Flugplatz verbringt, dass wir nur an Dienstwochenenden überhaupt mal irgendwie zwischen zwei OPs ein bisschen Zeit miteinander verbringen können und dass wir jetzt den zweiten Urlaub hintereinander nicht zusammen verbringen – und damit auch die beiden Urlaube, die dieses Jahr planbar sind, denn wenn ich dann den Resturlaub nehmen muss, hat er keinen mehr und im neuen Job werde ich – wenn überhaupt – nur noch fünf Tage zur Verfügung haben und die sicher auch nicht planen dürfen, wann ich das gerne möchte.  Es gibt noch diesen Teil in mir, der ihn will. Der sich abends in seinen A...

71 Monate

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Mein lieber Freund,  es passiert so viel im Moment.  Und ich wünsche mir oft, dass Du noch da wärst, um all das mit zu erleben.  Mir geht es mittlerweile so viel besser, als noch vor einem Monat. Oder sogar einem halben. Weißt Du, was total schön ist: Es gibt auch Kollegen von der Arbeit, die jetzt auf mich zukommen und sagen, dass ich langsam wieder die Mondkind bin, die sie kennen. Das waren Kollegen, mit denen ich nicht mal besonders eng bin. Aber ich glaube gerade diese Menschen haben das fast am Meisten mitbekommen. Bei meinen Freunden habe ich mich ja schon noch zusammen gerissen oder mich einfach weniger gemeldet und gesagt, dass ich viel zu tun habe – das glaubt einem ja auch erstmal jeder in diesem Job. Aber ich glaube es waren auch gerade diese „einfach nur Kollegen“, bei denen die Fassade dann  eben auch gefallen ist.  Ich habe gerade so ein bisschen das Gefühl, ich grabe auch meine Persönlichkeit wieder ein bisschen aus. Wer ist denn eigentlich diese...