Posts

66 Monate

Bild
Mein lieber Freund,  Heute ist schon wieder Monatstag. Allerdings haben wir uns ja gerade erst gehört.  Sag mal hat bei Dir zum jahreswechsel noch Deine Kerze gebrannt? Ich finde es jetzt im Nachhinein echt so schön, dass es noch geklappt hat und ich bei Dir sein konnte – auch wenn es ein stressiger Tag war. Aber es ist doch immer auch etwas Besonderes, viel Verbindung, viele Erinnerungen – auch daran, wie schön es ist, einen Menschen, mit dem man sich blind versteht, so nah neben sich gehabt zu haben. Jetzt hat es endlich auch das erste Mal bei uns wirklich geschneit. Hach ja – da kommt das Kind in mir immer noch durch. Ich habe mich einfach so über den Schnee gefreut – nur leider muss ich ja genau ab jetzt wieder arbeiten; da ist nicht viel mit Schnee genießen.    Ansonsten wird der Januar noch interessant. Am Dienstag fahre ich nochmal in die Studienstadt und besuche Frau Therapeutin. Kennst Du die eigentlich überhaupt? Hast Du sie je gesehen? Naja, in jedem Fall ...

Vom Jahreswechsel

Bild
Ein frohes neues Jahr 2026 wünsche ich allen Lesern.  Möge es ein gutes Jahr werden mit viel Gesundheit, glücklichen Momenten, positiven Veränderungen und viel Zeit mit den liebsten Menschen.  Der Jahresrückblick ist leider nicht fertig geworden. Und wenn er das bis Sonntagabend nicht wird, wird das glaube ich auch nichts mehr. Der Januar wird diensttechnisch jetzt erstmal echt arbeitslastig – da wird wenig Zeit für Geschreibselarbeit sein, für die man dann auch viel Ruhe braucht.  Die letzten Tage waren nochmal wild.  Nach Weihnachten habe ich erstmal meinem Intensiv – Oberarzt ein bisschen von meinem Weihnachtsfest erzählt. Ein bisschen von der Shit – show berichtet, zu der das Ganze dann noch mutiert ist. Und weil man ja mittlerweile doch ab und an den richtigen Riecher hat, habe ich am Ende geschrieben: „Und jetzt fragen Sie nicht nach einem Plan für Silvester. Es gibt keinen bisher. Würde mich jetzt auch nicht wundern, wenn da nicht doch noch ein Dienst ums Eck ...

Von einem Besuch, einem Brief und dem Ende von Weihnachten

Bild
Die Hände sind tief in den Jackentaschen vergraben.  Es ist nicht mehr dieselbe grüne Jacke wie die, die ich immer getragen habe, wenn ich bei Dir war und die Du auch noch kanntest. Die ist kaputt und außerdem ist es sehr kalt, deshalb habe ich eine dickere Jacke gewählt.  In der linken Tasche spüre ich die Autoschlüssel. Hätte es Möhrchen damals gegeben, hätte es Dir vielleicht das Leben gerettet.  In der rechten Jackentasche habe ich den Schlüsselbund. An dem nicht nur mein Haustürschlüssel ist, sondern auch der Türschlüssel des Kardiochirurgen. Wärst Du nicht gestorben, wären wir heute kein Paar. Dann hätte ich nämlich Dich behalten.  Neben Deinem Grabstein brennt die Kerze. Fünf Tage Brenndauer stand drauf. Das heißt, sie sollte Dich ins nächste Jahr begleiten. Auch dann noch brennen, wenn die Raketen am Himmel zerglühen und das neue Jahr eineiten. Ich habe die Kerze ein wenig in den Boden eingegraben, obwohl der gefroren und tatsächlich etwas gezuckert ist. Du h...

Merry Christmas, Happy Holidays

Bild
24. Dezember, Heiligabend. Der Wecker klingelt schon halb 7.  Es fühlt sich an wie eine sehr merkwürdige Dissonanz an diesem Morgen. Das ganze Land wartet auf Weihnachten, aber für mich ist es ein Dienst – Tag wie jeder andere.  Ich schwinge die Füße aus dem Bett, hüpfe unter die Dusche, zum Frühstück gibt es – wie immer Kaffee und Banane – und dann packe ich noch meine Übernachtungssachen zusammen, weil ich plane beim Kardiochirurgen zu schlafen heute.  Um 10 Uhr sitze ich auf der Arbeit, höre mir die Übergabe an und dann gehört die Notaufnahme mir.  Der Tag verläuft ziemlich genau so, wie ich mir das gedacht habe. Natürlich merkt man, dass dieser Tag „anders“ ist; es liegt eine eigenartige Stimmung auf den Fluren. Die Patienten in der Notaufnahme wollen zwar nicht bleiben, sind aber – zumindest diejenigen, die mir heute begegnen – alle ein bisschen dankbarer. Das Patientenaufkommen ist moderat. Ich bin schon beschäftigt, aber wirklich stressig ist es nicht.  „...

Urlaubsende

Bild
Ende des Urlaubs.  In dem der Kopf auf Hochtouren lief.  Eher weniger zur Ruhe kam.  Viele Ideen entstanden sind.  Je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger habe ich im Moment das Gefühl, hier bleiben zu können.  Im Gesamten.  In diesem Job. In diesem Umfeld.  Nur wird Gehen vermutlich erstmal auch nicht einfacher.  Der Kardiochirurg weiß mittlerweile, dass es sein könnte, dass ich nicht hier bleibe.  Dass ich mich zumindest mal umgucke.  Er nimmt das mit einer erstaunlichen Gelassenheit auf. Das Ende von Deutschland würde er mir jetzt vielleicht bezüglich meiner sonstigen Sozialkontakte nicht unbedingt empfehlen, sagt er. Aber sonst – wieso nicht? Ich weiß nicht, ob ihm bewusst ist, dass das dann für mich auch das Ende der Beziehung bedeuten würde. Dieses Chaos, das wir miteinander haben in einer Fernbeziehung – das ist einfach undenkbar.  Und genau das ist natürlich das, was dann wieder nicht Thema ist. Ich habe das mal angespr...

Urlaubsupdate

Bild
Es ist schwierig.  Irgendwie hatte ich gehofft, dass ich diese Zeilen im Urlaub nicht schreiben werde.  Und ich höre fast, wie sich mindestens die Hälfte meiner Leser denken: Naja, das war aber abzusehen. Seitdem ich aus der Studienstadt wieder da bin, ist irgendwie nicht viel passiert.  Ich habe ein bisschen nach anderen Krankenhäusern gesucht, in denen ich arbeiten könnte, habe die Wohnung aufgeräumt, ein paar CME – Kurse gemacht; allerdings letztere weniger, als Zeit dafür gewesen wäre. Jegliche Versuche, den Kardiochirurgen zu bewegen, waren erfolglos. Und am Ende läuft das immer auf dieselben Dynamiken hinaus.  Ich suche einen Urlaub raus, das interessiert ihn zunächst gar nicht. Wenn dann der Zeitpunkt gekommen ist an dem es ihn interessiert, sollten wir eigentlich schon auf der Straße stehen. Es gibt dann die Möglichkeit, den Urlaub eingekürzt doch noch zu machen, aber auch hier findet keine Bewegung und kein interessiertes Nachfragen statt (oder wenn doch, da...

Gedanken zum dritten Advent

Bild
Wenn man am dritten Advent nachmittags alleine auf dem Sofa sitzt, ist wohl mal wieder Einiges schiefgelaufen.  Die ersten beiden Tage an denen ich wieder hier war, wirkte es so, als sei es ein kleines bisschen ruhiger zwischen dem Kardiochirurgen und mir geworden und irgendwie hatte ich den Eindruck, wir haben uns sogar aufeinander gefreut, aber das war wohl doch nicht ganz richtig.  Vielleicht können wir diese Beziehung nur, wenn wir fast gar nichts voneinander hören – das war nämlich die Devise, während ich in der Studienstadt war. Es gab mehrere Tage, an denen zwischen meinem „guten Morgen“ und „gute Nacht“ einfach gar nichts kam. Nicht mal dann, wenn ich gefragt habe, was er den Tag über so macht.  Eigentlich war die Idee, ja noch ein wenig weg zu fahren. In die Berge. Er hat aber gar keine Lust sich in irgendeiner Form darum zu kümmern – wahrscheinlich nicht mal zu fahren – also war der einzige Kommentar, den ich dazu gehört habe „ja dann kümmer Dich halt mal.“ Also...