Vom Jahreswechsel

Ein frohes neues Jahr 2026 wünsche ich allen Lesern. 
Möge es ein gutes Jahr werden mit viel Gesundheit, glücklichen Momenten, positiven Veränderungen und viel Zeit mit den liebsten Menschen. 


Der Jahresrückblick ist leider nicht fertig geworden. Und wenn er das bis Sonntagabend nicht wird, wird das glaube ich auch nichts mehr. Der Januar wird diensttechnisch jetzt erstmal echt arbeitslastig – da wird wenig Zeit für Geschreibselarbeit sein, für die man dann auch viel Ruhe braucht. 

Die letzten Tage waren nochmal wild. 
Nach Weihnachten habe ich erstmal meinem Intensiv – Oberarzt ein bisschen von meinem Weihnachtsfest erzählt. Ein bisschen von der Shit – show berichtet, zu der das Ganze dann noch mutiert ist. Und weil man ja mittlerweile doch ab und an den richtigen Riecher hat, habe ich am Ende geschrieben: „Und jetzt fragen Sie nicht nach einem Plan für Silvester. Es gibt keinen bisher. Würde mich jetzt auch nicht wundern, wenn da nicht doch noch ein Dienst ums Eck gewatschelt kommt. Das hatten wir ja letztes Jahr. Exakt die gleiche Situation. Spontaner Rufdienst am 30.12 – den hat er auf der Weihnachtsfeier von meiner Schwester und ihrem Freund mal so nebenbei gedroppt. Ich wäre fast vom Stuhl gefallen.“
Vom 29. Dezember auf den 30. Dezember hatte ich erstmal Dienst. Und nach dem ganzen Weihnachtsstress bin ich nicht so super ausgeruht in diesen Dienst gestartet. Den Patienten nachts um drei mit Übelkeit, die schon seit zwei Tagen besteht und den ich unbedingt anschauen sollte, weil er zu Beginn der Episode mal Kopfschmerzen hatte, hätte ich auf den Mond schießen können. Ich war einfach so müde und die Pflege hat mich schon gefragt, ob ich Drogen genommen habe... 
Ich habe es dann doch noch geschafft eine Stunde zu schlafen, bevor eine Patientin mit riesiger Hirnblutung auf der Stroke Unit verstorben ist und ich mich dann darum kümmern musste. Danach war auch schon morgen und auch der Rest des Krankenhauses ist langsam aufgewacht. 
Ich treffe kurz den Kardiochirurgen im Flur. „Heute Abend komme ich dann zu Dir“, sage ich. „Vorher versuche ich noch irgendwie einkaufen zu gehen, wenn mein Körper das schafft.“ Er bremst mich sofort. „Vielleicht soll heute mal jeder bei sich schlafen. Wir müssen mal wieder schlafen.“ Was ist das denn jetzt für ein Bullshit? Als könnten wir nicht schlafen, wenn wir gemeinsam in einem Bett liegen. Ich bestehe nochmal darauf, heute Abend zu kommen nach dem Weihnachts – Desaster. 

Nach den vielen Feiertagen und dem Wochenende gab es erwartungsgemäß auch viel Unruhe auf der Station, deshalb war an pünktlich nach dem Dienst nach Hause gehen nicht zu denken. „Wer arbeitet heute überhaupt?“, hat der Chef in der Frühbesprechung gefragt, als nur vier Assistenten in der Besprechung saßen und die Oberärzte deutlich in der Überzahl waren. Es wurde dann abgefragt, ob auf jeder Station zumindest ein Assistent ist. Als wir mit dem Durchsprechen auf unserer überbelegten Station angekommen waren, hat der Kollege sich gemeldet: „Ich bin da. Und die Mondkind geht dann um 10 Uhr heim.“ „Wahrscheinlich eher so gegen 11:30 Uhr“, hat der Intensiv – Oberarzt zu seinem Oberarzt – Kollegen gesagt. Das ist optimistisch gedacht, habe ich mir gedacht. Ich habe 11 Patienten auf Station, von denen noch welche gehen und Briefe geschrieben werden müssen und Visite muss ich auch machen. Das macht keiner für mich, wenn der andere Kollege auch alle Hände voll zu tun hat. 
Was soll man machen? Ausreichend Kaffee konsumieren und los...

Es ist fast halb eins, als ich das nächste Mal auf mein Handy schaue. Der Kardiochirurg hat ein Bild geschickt. Kommentarlos den Dienstplan von Dezember geschickt. Warum schickt er denn jetzt, am 30. Dezember, einen Dezember – Dienstplan? Ich scrolle schnell durch bis zum Ende des Monats. Und da steht für heute ein Rufdienst drin. Von dem ich nichts weiß. 
Ich merke, wie in mir schon wieder die Wut hoch kocht und weil ich gerade eben noch auf der Arbeit bin, bekommt es die Dame vom Schreibzimmer auch mit, weil ich dann immer richtig zittere. „Mondkind – was ist los?“, fragt sie. Ich kommentiere das gar nicht, sondern wähle die Nummer des Kardiochirurgen. Dran geht dann aber eine MTA. „Wir sind schon wieder im OP, aber er kann noch kurz reden. Soll ich ihm das Telefon ans Ohr halten?“ „Ja, bitte“, entgegne ich. Das ist mir jetzt sowas von egal. Was denkt er sich denn? Dass er jetzt mal kommentarlos den Plan schicken und dann im OP verschwinden kann, damit ich mich hoffentlich beruhigt habe, bis er abends fertig ist? „Ja?“, höre ich. Mit einem Tonfall, der suggerieren soll, dass er keine Ahnung hat, warum ich ihn jetzt anrufe. „Sag mal sehe ich das richtig, dass Du heute Rufdienst hast?“, frage ich einigermaßen aufgebracht. Eigentlich schreie ich mehr oder weniger ins Telefon und frage mich kurz, was die um ihn herum stehenden Menschen denken. „Ja, ich habe heute Rufdienst“, entgegnet er. „Und warum weiß ich davon nichts?“, frage ich. „Mondkind, ich melde mich“, entgegnet er und legt auf. 
Ich arbeite erstmal schnell meinen Kram zu Ende ab. Mehr kann ich jetzt eh nicht machen. Wut wirkt besser als Kaffee, stelle ich fest. 

Long story short: Wir hatten am Abend natürlich wieder die komplette Eskalation. Zwei Mal innerhalb von vier Tagen. Und ich frage mich ernsthaft, was der sich so manchmal denkt. Kommt erstmal auf die Arbeit, lügt die Freundin an und meint hinterher, dass er das ja nicht hätte sagen können nach allem, was der letzte Rufdienst ausgelöst hat. Da kann ich aber nicht so viel dafür. 
Wir besprechen das sogar am Abend noch und er versteht einfach nicht, dass es einen Unterschied macht, ob die Dienste ab Anfang des Monats bekannt sind und man damit planen kann, oder ob solche Dienste ständig aus dem Off kommen, wenn vorher postuliert wurde, dass da frei ist. „Ich wusste, dass da irgendwo am Ende des Monats noch ein Rufdienst ist“, versucht er sich zu verteidigen. „Ja aber ich wusste das nicht. Ich dachte wir starten entspannt in den letzten Tag des Jahres.“ Man müsste eben einfach akzeptieren, dass dann nachts das Telefon klingeln könnte und müsse sich drum herum organisieren. Ja muss man – und trotzdem hätte ich das gern vorher gewusst. Ich habe ihm nochmal versucht zu erklären, dass so eine Planlosigkeit in unseren Jobs einfach nicht geht. Wir haben seltenst mal ein Wochenende gemeinsam frei, wir sehen uns an vielen Abenden nicht. Jeder von uns hat mehr als genug Zeit für sich alleine – aber die Zeit gemeinsam sollte man verbindlich planen. 

In jedem Fall hat mir die ganze Aktion zwei Tage ohne Schlaf beschert und gestern war ich so fertig davon, dass ich auch Ibuprofen brauchte, um überhaupt irgendwie durch den Tag zu kommen. 
Jetzt ist auch die Frage, wie es nächste Woche jetzt weiter geht. Montag soll es jetzt ernsthaft schneinen und ich liebe Schnee wirklich – aber nicht, wenn ich dann am Dienstag erstmal in die Studienstadt fahren soll. Mein Plan war ja auch, den Kardiochirurgen davon zu überzeugen mitzukommen, damit wir mal gemeinsam mit Frau Therapeutin sprechen können, wenn sie es mitmacht. Allerdings gibt es da am 5. Januar schon wieder ein Rufdienst des Kardiochirurgen. Es gibt dann also drei verschiedene Szenarien: Entweder, es wird ein ruhiger Dienst, dann würde alles klappen. Es wird ein unruhiger Dienst, aber er ist dann frühs wenigstens daheim, aber eine wandelnde Leiche, die sich sicher nicht gut auf tiefgründe Gespräche einlassen kann. Oder er ist gar nicht erst da. Selbst wenn er zustimmten würde – was soll ich jetzt wieder Frau Therapeutin dazu sagen? Die meisten Menschen können einfach nicht mit „Ja eventuell...“ Das verstehe ich auch, aber eine verbindliche Aussage kann ich da gar nicht machen jetzt... na mal sehen. 

Erstmal kümmere ich mich heute um meinen Bewerbungs – Zeug. Wenn man sich gefühlt nie richtig irgendwo beworben hat, weil es nach dem PJ sowieso klar was, dass ich hier genommen werde und alle Famulatur und PJ – bewerbungen eigentlich auch eher nur ein kleines Anschreiben waren... - ist das ganz schön kompliziert... 

Mondkind 

Kommentare

  1. Und neben den Bewerbungen direkt noch eine Trennungsnachricht an den Kardiochirurgen. Es tut schon fast physisch weh, zu lesen, wie du dich behandeln lässt und nichts änderst.

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