Entwicklungen
Es ist ungewöhnlich still hier.
Was primär daran liegt, dass ich ziemlich beschäftigt bin und so überladen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.
Nach dem Urlaub gab es erstmal ziemlich viel Stress mit meiner Schwester, weil die Stress mit ihrer Beziehung hatte. (Spoiler: Es gab Eine, die war am heutigen Pfingstmontag alleine zu Hause ohne den Partner und und Eine, die war mit ihrem Freund bei der Schwiegermutter in Spe...). Naja, kurz gesagt ist bei den beiden wohl wieder Ruhe in die Situation gekommen, aber das hat mich doch sehr mitbeschäftigt.
Wer sich jetzt fragt, was mit dem Kardiochirurgen ist: An der Stelle ist ziemlich Funktstile. Ich habe kürzlich mit einer Kollegin gesprochen, die ihn ein bisschen kennt – zumindest aus Erzählungen – ihr Mann arbeitet nämlich auch in der Kardiochirurgie, die mir dann gesagt hat: „Mondkind, ich glaube, ihr werdet Euch nie trennen. Ihr werdet wahrscheinlich einfach irgendwann nicht mehr miteinander sprechen.“
Und ehrlich gesagt glaube ich das auch.
Es ist schon krass fast drei Jahre mit einem Menschen zusammen gewesen zu sein, dessen Umfeld man nie kennen gelernt hat. Ich kenne bis heute seine Geschwister, Eltern und Freunde nicht. Diese Beziehung stand immer so neben unseren Leben. Jeder hatte sein eigenes Leben – er wollte mich nicht in seins integrieren und ich konnte ihn nicht integrieren, weil er jedes Mal, wenn ich ihn irgendwo mit hin nehmen wollte, abgeblockt hat. Und es fühlt sich so merkwürdig an, dass diese Beziehung aufzugeben, eigentlich gar nicht heißt, dass der Alltag sich in irgendeiner Weise ändert.
Und irgendwie ist es schwer das zuzgeben, aber es fühlt sich freier an, nicht mehr für jemanden mitdenken zu müssen, der sowieso nie da ist. Die Wohnung sah immer gestriegelt aus, ich hatte immer genug eingekauft, dass wir jeden Abend hätten etwas anständiges kochen können, was wir in den allermeisten Fällen nicht gemacht haben. Keine Sorge – ich koche auch für mich, aber wenn ich weiß, dass in der Woche viel los ist, oder dass das Wetter gut wird und ich abends noch Fahrrad fahren will, dann gibt es halt Nudeln mit Pesto. Oder einen Salat. Aber beides hätte man nicht dem Freund als Essensplan vorsetzen können. Und vielleicht wäre es okay gewesen, wenn man für den Aufwand, den für Zwei zu denken bedeutet, eben auch die Zweisamkeit davon gehabt hätte. Aber ich hatte den Aufwand ohne die guten Momente.
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| Das ist noch von den Radtouren im Norden |
Der anstehende Lebensumbruch treibt mich natürlich auch um.
Es gibt schon auch Stimmen in meinem Freundeskreis, die das ziemlich unnötig finden, erstmal eine Nebenwohnung zu haben. Ich meine finanziell hält es sich in Grenzen – wenn ich jetzt die Wohnung, die ich mir angeschaut habe, tatsächlich bekomme und circa die Hälfte von Wohnungs- und Pendelkosten noch von der Steuer absetzen kann, dann ist es irgendwo machbar. Und dennoch bezahle ich hier noch unendlich viel Miete für eine Wohnung, in der ich maximal 6 – 8 Tage im Monat bin und wahrscheinlich auch nur die ersten Monate. Denn sobald es losgeht mit Diensten und Weiterbildung die eben auch Wochenendseminare einschließt, fahre ich sicher weniger hierher.
Und gleichzeitig kennen die wenigsten Menschen die private Situation so ganz. Es ist halt auch Vieles um mich herum ziemlich unklar. Ich würde mein Leben nicht primär an die anderen anpassen, aber je nachdem wie wohl ich mich so fühle, wie viel Anschluss ich so finde, könnte ich mir schon vorstellen, doch am Ende hier Oberärztin zu werden, wenn ich meine Ausbildung fertig habe. Und ich liebe meine Wohnung und würde dann gern wieder hier sein. Denn so an sich wäre ich jetzt nicht unbedingt auf die Idee gekommen, von hier weg zu ziehen. Aber mit der schwierigen Stellensituation und Beziehungssituation war das jetzt nun mal so.
Die neue Wohnung an sich hätte eine perfekte Lage, es ist ein perfektes Preis – Leistungsverhältnis und als Pendlerwohnung ist sie ideal. Ich könnte mir vorstellen, als einzige Wohnung würde es beispielsweise sehr stören, dass es im Keller eine Gemeinschaftswaschmaschine für 30 Haushalte gibt, aber ich plane nicht, primär dort zu waschen und als Notlösung, wenn man mal außerplanmäßig etwas waschen möchte, ist das super.
Aber ich habe sie halt drei Monate zu früh. Ab September wäre ich voll zufrieden damit, weil ich mich ja auch noch einrichten muss. Aber das bringt halt nicht nur das Problem von Mietkosten für absolut nichts mit sich, sondern auch die Frage, wer dort mal lüften soll, damit es nicht schimmelt. Ich kann doch jetzt nicht ständig da hoch fahren, aber auch die Wohnung nicht wochenlang unbeaufsichtigt lassen. Ich hatte schon so Ideen wie, dass ich da eine Kamera aufstelle, mit einem Hygro – Thermometer, um Luftfeuchtigkeit und Temperatur im Blick zu haben, aber ich weiß nicht, ob das ein bisschen zu viel ist.
Und trotzdem kommt immer irgendwann der Moment, an dem ich einfach erstmal mache. Wohnungen suche, anschaue, zusage, schaue, wie ich die Probleme löse, die sich daraus ergeben. Irgendwann frage ich auch einfach. Der Intensiv – Oberarzt meinte, er schaut sich mit mir zusammen nochmal den Mietvertrag an, was super lieb ist.
Ich habe irgendwie schon das Vertrauen, dass die Dinge sich finden werden und gleichzeitig bin ich manchmal wütend, dass es eben so ist, wie es ist. Eigentlich hätte die Zeit jetzt in meiner Vorstellung nicht von Umbrüchen geprägt sein sollen, sondern von Stabilität, Ruhe und Familienplanung.
Und was irgendwie ein bisschen bleibt die Frage, was passiert, wenn sich das Leben am Ende nie so dreht, wie man sich das gewünscht hätte. Wenn es nie eine Mondkind mit Familie gibt .
Mondkind

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