Entwicklungen

Seitdem wir letzten Dienstag in der Studienstadt waren, war es ein einziges Dienstchaos. Jeden Tag hatte ein anderer Dienst, wir haben uns mehr im Krankenhaus gesehen, als irgendwo anders (und wurden im Neuro – Pausenraum vom Unfallchirurgen überrascht) und Zeit und Gelegenheit den Termin bei Frau Therapeutin nochmal nachzubesprechen gab es immer noch nicht. 
Gestern hatte der Kardiochirurg dienstfrei und nach einem späten Frühstück, sind wir dann ein bisschen ins schneereiche Umland gefahren. Vom Prinzip her war das auch schön und trotzdem ist ja immer einer von uns nicht so richtig zurechnungsfähig. 
Und am Ende bleibt doch die Frage, ob das jetzt wirklich alles sein soll. Ist das alles, was an Beziehung geht? Die Tage unter der Woche sind immer ein einziger Stress, weil der Kardiochirurg nicht vor Mitternacht ins Bett geht, während ich in den Seilen hänge, wenn ich das zwei Tage hintereinander so mache. Im Prinzip fällt der Stess erst ab, wenn es einigermaßen vor 22:30 Uhr ist und ich zumindest nah davor bin, das Licht zu löschen. Und dann ist eben alles was geht an den Wochentagen ein unendlicher Stress mit diesem Hin- und Hergefahre, wenig Kapazitäten sich auf den anderen einzulassen und am Wochenende hat ja meistens einer Dienst. 
Ich weiß nicht. Manchmal frage ich mich, ob es nicht eine Version von einem Leben geben könnte, das besser mit meinem Wunsch nach Ruhe und Beständigkeit vereinbar ist. 

Ansonsten ist der Chef wieder da und langsam muss ich mir mal Gedanken machen, ob ich mich jetzt noch woanders bewerbe. 
Ich finde, solche Entscheidungen sollte man auch als Paar treffen, weil sie uns ja auch schon beide betreffen, wenn ich weg ziehe, aber das wird wahrscheinlich nichts. Und mich irritiert schon, dass vom Kardiochirurgen nicht mal die Frage kommt, ob ich denn noch alle Pfeile im Köcher hätte und wie ich mir dann die Beziehung vorstelle. Ich frag mich, ob es ihm wichtig ist. Oder, ob es für ihn genauso okay wäre, wenn ich gehen würde... 

Und dann ist da noch der Schwesterherz. Das gerade am anderen Ende von Deutschland komplett dekompensiert. Sagen wir so – ich habe sie selten so erlebt und war schon kurz davor, ihr die Polizei auf den Hals zu hetzen. Wenn Du im Dienst sitzt, sonst niemand helfen kann, sie da oben alleine ist und Du das ja alles schon mal erlebt hast – das löst Ohnmacht aus. 
Ich versuche sie ein bisschen virtuell im Blick zu haben, zuhören. Aber es ist krass. Ich habe nicht mehr dieses Vertrauen von damals. Dieses „es wird schon alles gut.“ Sie hat sich wenig mit sich und ihrem Innenleben auseinander gesetzt in all den Jahren, saß nie bei irgendeiner Therapeutin – sie hat leider überhaupt keine Ahnung, was gerade mit ihr abgeht und die Bewältigungsstrategien sind hauptsächlich destruktiv. 

Und dann sitzt Du abends da und denkst Dir: Es wird schon alles irgendwie. Es wurde immer alles irgendwie. Auch, wenn ich meine eigenen Grenzen langsam merke. Mich hat kaum ein Dienst je so raus gehauen, wie der letzten Freitag und irgendwann nachts um vier habe ich einfach in einer stillen Ecke geweint. Nicht, weil ich nicht wusste, was ich mit den Patienten tun sollte. Sondern, weil das eine Nacht mit Null Minuten Schlaf war, ich bis dahin 22 Stunden wach war in einer Situation, in der alles in mir permanent nach Ruhe schreit. Es  sollte 13 Uhr werden, bis ich ein Bett gesehen gesehen habe. 

Mondkind 

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