Briefchen - über ein bisschen Dekompensation
Hey mein Freund, na, wie ist die Lage… ? Der Mond war heute so hell auf dem Heimweg und stand genau neben der Kirche, dass ich dachte… - vielleicht weißt Du, dass heute so ein Tag mit ultra viel Redebedarf ist. Weißt Du, ich bemühe mich echt, alles irgendwie positiv zu sehen. Dankbar dafür zu sein, zurück im Job zu sein. Wieder Assistenzärztin sein zu dürfen, wieder Menschen helfen zu können, für sie da zu sein. Auch, wenn das auch manchmal bedeutet schwierige Diagnosen so zu verpacken, dass man die Menschen mit ihren Trümmern, die man soeben selbst erzeugt hat – obwohl die eigentlich schon vorher da waren, man hat sie eben nur sichtbar gemacht – aufzufangen. Aber weißt Du… - manchmal dekompensieren einfach alle da auf dieser Station. Inklusive der Oberärzte. Ich habe doppelt so viele Patienten, wie ich eigentlich haben sollte. Epilepsiepatienten, für die sich keiner zuständig fühlt. Und hätte ich nicht so viel schon selbst darüber gelernt, würde ich da ...