Von einem wilden, vorerst letzten Nachtdienst
Die Telefone klingeln sturm. Es muss irgendwann in den frühesten Morgenstunden sein, schätzungsweise halb 4. Ich schrecke zusammen – wie immer bei diesen Notfallalarmen mitten in der Nacht und brauche eine Zehntel Sekunde, um mich zu sammeln. Ich liege an einen anderen Menschen geschmiegt, habe meinen Arm um seinen Oberkörper geschlungen und spüre auch einen Arm auf mir. Dieser Arm auf mir löst sich jetzt und greift über mich – wie mein zweiter Arm – in Richtung des Telefons. Im Telefon kommt die Durchsage, von welcher Station der Alarm kommt. Es ist eine Kardiologische. Der Mensch neben mir springt auf, schlüpft in seine Schuhe, steckt das Telefon in die Kitteltasche und hängt sich das Stethoskop um den Hals. „Bleib hier, ich komme dann wieder“, sagt er. „Wenn wir doch einen Neurologen brauchen, rufe ich Dich an.“ Wir Neurologen rennen in solchen Fällen eigentlich nur los, wenn der Notfallalarm von einer unserer Stationen kommt. Ansonsten ist es in 90 % der Fälle ein kardiologisches P...