Das erste Konzertwochenende
Wochenende.
Das gefühlt erste Wochenende dieses Jahr, an dem überhaupt mal etwas sinnvolles passiert ist, das ein bisschen dazu beitragen könnte, die Akkus wieder aufzuladen.
Tatsächlich war es ungefähr so, wie Johannes Oerding es auf seinem Konzert dann später auch gesagt hatte: Einfach mal alle Sorgen vergessen – die kommen früh genug zurück und die Zeit genießen.
Freitagabend habe ich noch flott den Haushalt gemacht – man weiß ja nie, wann man Sonntag wieder hier ist (im Endeffekt war das eine sehr gute Idee...) - ehe ich am Samstag sehr früh aufgestanden bin und in Richtung Hannover gefahren bin. Die Tour war schon eher anstrengend. Da die Autobahn ein größeres Problem hatte, bin ich die letzten hundert Kilometer Landstraße gefahren.
Meine Schwester kam aus der anderen Richtung angefahren. Wir hatten uns im selben Parkhaus nahe der Innenstadt von Hannover verabredet und am Ende kamen wir wirklich fast genau gleichzeitig an. Ich war schon mal in Richtung Ausgang gelaufen, ehe mir eingefallen ist, den Laptop lieber mal unter den Sitz zu legen und als ich wieder am Auto war, hat sie gerade neben mir eingeparkt.
Bei allerschönsten Wetter sind wir dann also ein bisschen durch Hannover geschwänzelt. Da ich aber – wie schon seit Mittwoch – recht krank war, haben wir mal keine durchgeplante Sight – Seeing – Tour gemacht, sondern uns am Nachmittag noch in Ruhe in ein Cafe gesetzt. Man konnte sogar schon draußen sitzen und – oh wie sehr freue ich mich auf den Sommer. Danach sind wir zum Hotel gefahren, haben eingecheckt und uns noch kurz ausgeruht, ehe es dann los zur Location ging. Es hat sich wirklich sehr bewährt ein Hotel in der Nähe von solchen Veranstaltungen zu suchen, sodass diese fußläufig erreichbar sind. Was sich da an Autos durch die Straßen geschoben hat – Wahnsinn.
Ein Johannes Oerding - Konzert in einer Arena scheint dann aber doch etwas anderes zu sein, als ein eher kleineres, exklusiveres Florian – Künstler – Konzert. Wir waren nicht ganz zu Beginn des Einlasses da, da wir uns ohnehin entschieden hatten, Sitzplätze zu buchen. Was ich allerdings nicht einkalkuliert hatte war, dass da eine Schlange von hunderten (oder tausenden?) Leuten vor der Arena stand, die alle rein wollten.
Und manchmal sind es die Nebensachen, die passieren, die so viel bewegen.
Als wir für das Konzert anstanden, war vor uns ein älteres Ehepaar. Vielleicht so 75 Jahre. Noch relativ fit. Denen war – wie uns allen – langweilig. Also hat er sich dann einfach die vor unter hinter ihm stehenden Menschen angequatscht. Er wäre ja noch sehr entspannt, er habe sich nie großartig gestresst in solchen Dingen, habe auch beim Fliegen immer gewartet, bis alle im Flieger gewesen seien, ehe er zum Gate gegangen sei. Lange anstehen sei doch Lebenszeitverschwendung. „Naja, Du darfst nicht vergessen, Du hast aber auch den ein oder anderen Flieger verpasst“, hat seine Frau lachend gesagt und die Hand auf seine Schulter gelegt. Es ging dann eine Weile zwischen uns hin und her und irgendwann dachte ich mir so: „Hey, wenn ich mal alt bin und das habe – dann habe ich alles erreicht, was ich wollte.“ Und als nächstes dachte ich mir: Aber wahrscheinlich wird das nicht mit Florian passieren. Ich weiß nicht, ob wir uns je so gut kennen werden. So unbeschwert sein können. Wir können das ja jetzt kaum sein.
Ich hatte ein bisschen Sorge, dass so ein großes Konzert vielleicht am Ende nicht so schön sein könnte, wie ein kleines Florian – Künstler – Konzert, bei dem man ja auch eigentlich immer recht weit vorne steht. Natürlich war es mit der Sicht nicht so gut, wie man es gewohnt ist und man war etwas auf die Leinwände angewiesen, aber die Akkustik war super. Ich bin nicht so der Fan von Großveranstaltungen, aber es war wirklich gut organisiert.
Insgesamt war es ein tolles Konztert. Er hat natürlich viel von seinem neuen Album gespielt – wobei ich das Letzte tatsächlich sogar mehr mag – aber auch die altbekannten Klassiker. Und gerade die katapultieren mich irgendwie immer ein bisschen zurück in PJ – Zeiten, in denen ich sehr viel Johannes Oerding gehört habe. „An guten Tagen“ und „Kreise“ sind natürlich absolute Dauerbrenner und bei „Kreise“ stieg dann auch noch plötzlich Max Giesinger aus dem Untergrund auf die Bühne. Das war mal eine gelungene Überraschung. „Wimpernschlag“ hatten sie dann auch noch zusammen gesungen – das habe ich auch noch nie live gehört.
Ganz am Ende kam noch mein Lieblingssong vom neuen Album: „Jahreszeiten“. Gerade nach den letzten Wochen trifft ein „Wir werden alles überleben. Wir werden alles überstehen. Weil all das Chaos in die Tränen, wie Jahreszeiten kommen und gehen“, nochmal anders. Und es ist immer etwas Besonderes, die Worte in einer Lautstärle die alle im Innen übertönt zusammen mit tausenden anderen Menschen live hören zu können.
Trotzdem war ich auf dem Konzert immer noch ziemlich krank und aab der Hälfte haben sich Magenschmerzen dazu gesellt, sodass ich am Ende gar nicht sicher war, ob ich es noch zu Fuß ins Hotel schaffe. Es ging dann – aber viel weiter hätte ich es nicht mehr geschafft.
Der Körper zeigt weiterhin deutlich, dass es ihm nicht gut geht. Und trotzdem war diese Auszeit super wichtig und wahrscheinlich das, was man dann trotzdem tun soll.
Es fühlt sich auch weiterhin an, als sei da eine Wand zwischen der Welt und mir und es kommt weiterhin alles etwas gedämpft bei an. Auf der einen Seite ärgert mich das ein bisschen, auf der anderen Seite ging es vor zwei Wochen noch um akute Suizidalität – also von daher passt es wahrscheinlich schon.
Sonntag haben wir erstmal bis neun Uhr geschlafen, danach ging es entspannt duschen und zum Frühstück und gegen 12 Uhr waren wir dann auch mal fertig. Alles etwas entspannt – das muss in diesem stressigen Alltag auch mal sein. Wir sind dann noch zu den Koldinger Seen gefahren und sind dort noch ein wenig spazieren gegangen. Die Natur ist dort schon etwas weiter, die Kastanien blühen schon. Und zwischen dem Rascheln der ersten frischen Blätter im Wind hört man auch die Wildenten, die meine Schwester so sehr mag.
Gegen 15 Uhr waren wir noch Kaffee trinken und dann dachte ich eigentlich, dass ich so los fahre, dass ich entspannt um kurz nach 19 Uh zu Hause bin. Tja – da hatte ich erneut die Rechnung ohne die Autobahn gemacht. Die war nämlich schon wieder gesperrt und die Ausweichroute über die Dörfer hoffnungslos überlastet. Die Gesichter der Dorfbewohner waren aber schon spannend ;)
Am Ende war ich gegen 21 Uhr zu Hause – das war dann auch noch okay.
Mondkind


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