Entwicklungen und ein bisschen Wende

Leben fühlt sich manchmal merkwürdig an. 
Als wäre man mitten in einer Drehung. In sich selbst und im Außen. 

Mit dem Kardiochirurgen ist es irgendwie anders geworden. Es gibt noch diese Momente, in denen ich ganz viel Wut in mir spüre darüber, dass er meistens einfach nicht mit mir kommuniziert, dass es natürlich auch diesen Sommer so ist, dass er jedes freie Wochenende mit schönem Wetter auf dem Flugplatz verbringt, dass wir nur an Dienstwochenenden überhaupt mal irgendwie zwischen zwei OPs ein bisschen Zeit miteinander verbringen können und dass wir jetzt den zweiten Urlaub hintereinander nicht zusammen verbringen – und damit auch die beiden Urlaube, die dieses Jahr planbar sind, denn wenn ich dann den Resturlaub nehmen muss, hat er keinen mehr und im neuen Job werde ich – wenn überhaupt – nur noch fünf Tage zur Verfügung haben und die sicher auch nicht planen dürfen, wann ich das gerne möchte. 
Es gibt noch diesen Teil in mir, der ihn will. Der sich abends in seinen Armen zusammen rollen möchte, der irgendwann mal wieder die leidenschaftlichen Küsse zurück haben möchte, mal wieder Intimität spüren möchte und mal wieder etwas erleben möchte mit dem anderen. Ich warte bis heute darauf, dass er mich mal mit auf den Flugplatz nimmt, oder zu seiner Windkanal – Aktion. Mittlerweile habe ich sogar die Nummer seiner Schwester – wir hatten ja mal die Idee, einen parallelen Girltrip zur organisieren und shoppen zu gehen, in der Zeit, in der die Jungs fliegen üben und dann könnten wir danach noch gemeinsam etwas essen und mal kurz in die Stadt gehen. (Die Facharzt – Prüfungsstadt mit guten Erinnerungen zu überschreiben, ist sowieso keine schlechte Idee). 
Aber dann kommt mir in den Sinn, dass das ja sowieso alles eher Wunschvorstellungen sind, die ja nicht erst seit gestern nicht mehr realisierbar sind – manche waren auch nie realisierbar. Ich bin eigentlich nie in seinen Armen eingeschlafen, weil er Körperkontakt nicht mag und immer behauptet hat, im Sommer wäre es zu warm für so etwas und im Winter ist sein Bauch zu voll – dabei sollte sein Bauch doch eigentlich an meinem Rücken liegen – aber nun denn. Auch auf Nachfrage hat er mich eben nie mitgenommen zu seinen Fluggeschichten und die Idee, dass wir da irgendetwas organisieren und einen für alle schönen Ausflug daraus zaubern, ist eher Wunschdenken, als dass es nur einen Ansatz Bereitschaft von den Jungs gegeben hätte, so etwas mitzumachen. Und nachdem er jetzt auch den Urlaub explizit nicht mit mir verbringen wollte, sind wir halt auf dem absteigenden Ast. 

Und ich glaube, ein großer Teil von mir sieht das jetzt auch als Befreiung. Dieses Loslassen. Es ist gar nicht so einfach an etwas festzuhalten, immer wieder Anreize zu geben, den anderen immer wieder versuchen in den Kontakt zu holen, wenn man eigentlich spürt, dass das keinen Sinn hat, aber sich doch so sehr wünscht, der andere würde genauso gern Zeit mit einem verbringen, wie man selbst. 
Letztendlich weiß ohnehin niemand, was passiert, wenn ich dann erstmal unter der Woche nicht mehr da bin. Vielleicht beendet das die Beziehung dann sowieso. Und Zeit und Gelegenheit für etwas Neues habe ich so zwischen den Orten gerade ohnehin nicht. Dann kann man sich auch einfach ein bisschen von der Ferne anschauen, was er so weiter macht. 

Kürzlich am Lieblingsberg


Heute Abend ist das erste Florian Künstler – Konzert der Tour. Ich wäre wirklich gerne dabei gewesen. Die Kollegin, die ich um einen Tausch gebeten hatte, hatte dem auch erst zugesagt, wollte dann aber im letzten Moment doch nicht mehr tauschen. Ein bisschen geärgert hat mich das schon, weil sie dieses Wochenende auch nicht viel vor hat und letztendlich einfach nur mit bestimmten Kollegen Dienst machen wollte. Ja – das will ich auch manchmal und trotzdem habe ich einem Tausch eigentlich immer zugestimmt, wenn sie mich gefragt hat. Meistens hat sie von allein ausladend darüber berichtet, warum sie ihren Dienst nicht machen kann. Sie hatte mir am Ende noch angeboten den Dienst einfach erstmal zu übernehmen und ich nehme ihr dann im Juli ein Wochenende ab. Da ich aber auch den Dienstplaner kenne, der mich notorisch jeden Monat in zwei Wochenenddienste einträgt (das ist nicht bei allen so) und meine Oma im Juli noch hier ist und ich mich auch noch um eine zweite Wohnung kümmern muss, dachte ich mir, dass ich dann sicher Stress bekomme, wenn ich sowieso nur zwei freie Wochenenden habe. Die Kollegin macht zwar meistens die Freitage und ist dann fertig mit ihren Wochenend – Diensten, aber auch dann kann ich Samstags nicht zur neuen Wohnung tuckern, ohne im Auto einzuschlafen oder durchs Möbelgeschäft schnorbsen. Es hätte jetzt zwei Möglichkeiten im Juni gegeben, die relativ unkompliziert möglich gewesen wären und die hätte ich halt gern dafür genutzt.
Aber deshalb findet das Konzert heute Abend leider ohne mich statt. Bassum und ich stehen unter keinem guten Stern scheinbar. Schon letztes Jahr konnte ich nicht aufs Revolverheldkonzert – und das wird für immer das Opfer, dieses Facharztes bleiben, weil das für mich – nachdem es auch die Lieblingsband des verstorbenen Freundes war - einen hohen emotionalen Wert gehabt hätte. Und dieses Jahr spielt eben Florian Künstler dort und ich kann immer noch nicht hin. 

Ansonsten machen mir meine Finanzen immer noch etwas Ärger. Jedes Mal wenn ich denke, dass ich jetzt wirklich alles bedacht habe, kommt doch noch von irgendwoher eine Rechnung geflattert. Gestern von der DGN – da sollte man als Neurologin vielleicht Mitglied sein. Hauptsächlich hatte ich das gemacht, damit ich auch die Zeitschriften bekomme – die waren wichtig für die Facharztvorbereitung. Heute sind die aber weiterhin wichtig fürs Punktesammeln; also einfach austreten, um Kosten zu sparen, geht jetzt auch nicht. Ich muss mal schauen, ob ich die Zeitschriften vielleicht auch einzeln abonnieren kann und mir die Sache mit der DGN erstmal sparen kann. 
So an sich bin ich echt gespannt, wie viel am Ende des Monats wirklich übrig bleibt mit den zwei Wohnungen und Leben auf einem schmalen Füßchen dann. 

So... - morgen habe ich dann also Dienst und damit verschwinde ich wahrscheinlich ab morgen wieder für eine Woche in der sozialen Isolation. Danach die Woche habe ich nämlich Spätdienst und das bedeutet immer ab halb 1 zwölf Stunden auf der Arbeit. Ach so – und der Chef hat gestern noch fallen gelassen, wann dieses Jahr das Sommerfest der Neuro ist: Im Juli in genau der Woche, in der ich Sptädienst habe. Ich wäre schon gern bei meinem letzten Sommerfest dabei gewesen, aber das wird wohl leider eher auch nicht funktionieren. Es ist sind die Opfer dieses Jobs. Das ist einfach so. Arbeiten wenn andere frei oder Feierabend haben, gehört halt leider zu unseren Leben.

Mondkind

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