Bis die Tage wieder werden...
„Bis die Tage wieder werden, wie sie früher mal waren
Bis wir die Farben wieder sehen und der Regen einen Bogen macht“
Bis wir die Farben wieder sehen und der Regen einen Bogen macht“
(Wincent Weiß; Regenbogen)
Ich habe das Gefühl, für mich gibt es nur noch Vorwärts. Kein
Zurück mehr in das Gestern, aber wie das Morgen aussehen soll, weiß ich auch
noch nicht.
Ich war an so vielen Orten, in so vielen Städten dieses
Jahr, habe irgendwo noch versucht irgendetwas zu finden, das mich hält. Meine
Geburtsstadt ist für mich Vergangenheit. Hier habe ich so viele
Sommer verbracht in einer Stadt, die ich so sehr liebe. Es war ein bisschen wie
früher. Aber viel mehr hat die Schwere überwogen.
Die Tage von früher. War da irgendwann mal Unbeschwertheit?
Gab es irgendwann mal ein „kindgerechtes“ Leben, das nicht von Leistungsdruck
geprägt war? Und wie war das? Wie hat sich das angefühlt, mein Regenbogen?
Ich weiß es nicht. Und vielleicht lag dort mit ein Problem
meines Klinikaufenthaltes. „Sie wissen ja gar nicht, wo sie hinwollen“, war die
Aussage. Und irgendwie stimmt es. Weil ich gar keinen Regenbogen habe.
Mittlerweile pendle ich wieder zwischen den Orten, aber es
sind andere Orte.
Es ist ein Abschied und ein Neuanfang. Ein Übergang von der
Sicherheit in die Autonomie, von der Vergangenheit in die Zukunft, von der
Gemeinschaft in das Alleinsein. Und dazwischen noch die Uni.
Ich merke, ich kann allen drei Orten nicht mehr gerecht
werden. Der Uni nicht mehr, weil ich so viel im Kopf habe, dass Lernen
unmöglich ist. Der Klinik aber auch nicht mehr, weil ich so selten da bin, dass
ich kaum noch an Therapien teilnehmen kann. Und meiner Wohnung werde ich auch
nicht gerecht, denn wie soll ich mich einleben, wenn ich nur alle Nase lang mal
da bin?
Es ist ein Schritt in die Zukunft und ein „nachträgliches
Verlustgefühl“. Das Wissen um das, was ich verloren habe, denn irgendwie gab es
sie ja doch – die Abende, wo wir samt Hund vor dem Kamin gesessen haben. Die
Menschen, die ich verlieren werde. Und andererseits eben, dass ich zwei Jahre
lang so extrem eingeschränkt war. Das merke ich erst jetzt so richtig, wie das
eigentlich ist nach Hause zu kommen und Kaffee kochen zu können, ohne die
Situation auszuloten. Und wie das eigentlich ist, nicht schon während der
Vorlesung überlegen zu müssen, welche Bahn ich wohl nehme. Und dann nervös zu
werden, wenn der Dozent überzieht. Und dann noch die Bahn zu verpassen.
Und dann ist es beides. Ein „warum hast Du Dir das zwei
Jahre angetan?“ und ein „Warum kann nicht alles bleiben, wie es war?“
Es braucht Zeit, glaube ich. Sehr viel Zeit...
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