Prüfungsvorbereitung
Das Wochenende ist vorbei.
Hauptsächlich war ich mit Lernen beschäftigt. Epilepsie, Myopathien
und hier insbesondere die Myositiden, aber alle anderen habe ich mir auch
angesehen. Wenn man damit anfängt, kann man so nebenbei noch das ganze Kapitel
Rheumatologie wieder mit aufrollen. Dann noch Meningeosis carcinomatosa und
Meningeome. Und nur vorsichtshalber nochmal einen Schwenk über die
Hirntumore.
Man könnte sicherer sein – eine Wiederholrunde mehr wäre sicher drin
gewesen. Ich musste ein bisschen tricksen. Samstag wollte ich ohnehin noch
Lernzettel drucken, da bin ich gleich ein bisschen länger in der Klinik
geblieben und habe dort gelernt, weil ich es in meiner Wohnung nicht mehr
ausgehalten habe. Ich musste irgendwohin, wo ich zumindest ein paar Stimmen
höre. Und dass ich einer Pflegerin und einer Kollegin über den Weg gelaufen
bin, mit denen ich noch kurz quatschen konnte, hat mir glaube ich auch gut
getan.
Wenn ich schon mal in der Neuro war, habe ich nebenbei in den Verlauf
meiner Patienten geschaut. Mit der Dame, die sich mit der Zustimmung zu den
Untersuchungen so schwer getan hat, werde ich noch Spaß haben. Gestern hat sie
zwei Mal versucht, sich zu entlassen. Im Moment scheint sie aber auch „nicht
ganz knusprig“ zu sein, wie eine Kollegin das immer formuliert. Ziemlich
desorientiert und stur. Da stellt sich mir wieder die Frage: Kann man jemanden
gegen ärztlichen Rat entlassen, wenn er zu Ort, Person und Zeit nicht
orientiert ist? Eigentlich doch nicht, oder?
Bezüglich der Prüfung morgen: Es interessiert keinen, wie mein
Wochenende war. Die Leistung muss am Ende stimmen. Ein Lehrer sagte irgendwann
in der Schule mal zu mir: „Mondkind, was am Ende zählt, ist die Leistung. Wie
Du dahin gekommen bist, das ist egal.“
Und das stimmt eben oft leider.
Der neue Geheimtipp sind übrigens die Leitlinien. Ein „das steht in
den Leitlinien“ ist ein Totschlagargument. Und durch die habe ich mich
durchgekämpft. Dennoch weiß ich sicher genügend nicht, da ich ja diese Woche
auch kaum auf der Epilepsiestation war. Wenn jemand mir ein EEG hinlegt und
sagt: „Mondkind, suche mir bitte das epilepsietypische Potential“, wird es
schwierig. Ich möchte nicht garantieren, dass ich das finde. Und das dann noch
einem Epilepsiesyndrom zuordnen kann…
Bloß gut war das EEG meiner Patientin unauffällig. Allerdings kann
auch abgesehen vom Fachwissen noch mehr als genug schief gehen. Das letzte Mal
hat der Bewertungsbogen ja mal so gar nicht zur Prüfung gepasst. Ich nehme an,
diesmal wird es wieder derselbe sein. Wenn die wieder irgendetwas bewerten
wollen, was wir gar nicht gemacht haben, werde ich dabei wieder eher nicht so
gut wegkommen. Und dann weiß ich auch gar nicht, wie ich die Patientin
vorstellen soll. Ich glaube nicht, dass mein Kollege ihr erklärt hat, dass wir
auch ein bösartiges Geschehen im Verdacht haben, bevor wir gesicherte Hinweise
darauf haben. Man muss Patienten ja auch nicht unnötig belasten. Wenn ich aber
neben dem Patientenbett stehend etwas von einer Meningeosis carcinomatosa
erzähle, die über kurz oder lang ein Todesurteil wäre, weiß ich nicht, ob das
so gewollt ist, ehrlich gesagt.
Ich weiß nicht, ob ich morgen früh nochmal meinen Oberarzt anrufen
sollte, um das zu klären. Allerdings wird der vor halb 10 kaum Zeit haben, da
nach der Frühbesprechung immer noch Besprechung der Oberärzte ist und die
Notaufnahme muss er ja auch noch machen.
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👆Damit ich für das differentialdiagnostische Philosophieren gerüstet bin Aber ohne Kaffee geht gar nichts...😏 |
Die Prüfung fällt dann morgen wahrscheinlich auch genau in die Visite
auf der Stroke. Und wenn wir es noch davor schaffen dann zumindest so, dass ich
keine Zeit habe, meine Patienten vorzubereiten (wahrscheinlich werde ich morgen
früh einfach eher los fahren und mich damit schon vor der Frühbesprechung
beschäftigen). Jedenfalls kommt morgen eine Kollegin aus dem Urlaub zurück, die
mir die Patienten dann abnehmen wird, wenn ich nicht da bin. Das hat aber zur
Folge, dass ich die hinterher wahrscheinlich los bin, weil die Assistenten auf
der Schlaganfallstation ihre Patienten sowieso nicht gern her geben.
Dann kommt morgen auch noch die neue PJlerin. Ich wollte mir heute
Abend noch ein paar Gedanken machen, was ich mir von einem PJler an Einführung
gewünscht hätte, damit sie möglichst gut hier ankommt. Ein bisschen Sorge habe
ich ja, dass denen dann einfällt, mich von der Stoke Unit abzuziehen, weil wir
mit ihr einfach zu viele sind. Und es ohnehin nicht üblich ist, zwei PJler auf
einer Station zu haben.
Ich hoffe, dass ich den Tag morgen gut schaffe. Psychisch geht es ja
jetzt langsam doch bergab und dann sind Stress und unbekannte Variablen immer ziemlich
schlecht.
Mit dem Oberdoc werde ich morgen auch im Tagesverlauf nicht reden
können, wenn der seine Zeit schon für meine Prüfung verbraucht und eine neue
PJlerin hat. (Ich wüsste ohnehin nicht, wie ich meinen Zustand erklären sollte
und ob ich das überhaupt wollte - es würde schon ausreichen, wenn ich einfach
nur in seinem Büro sitzen dürfte, während er dort irgendetwas anderes tut. Aber
das wird es sowieso nie geben). Ich hoffe, dass er wenigstens nicht so
ungenießbar ist, wie das letzte Mal vor der Prüfung, dann drehe ich diesmal
glaube ich wirklich durch. Er weiß auch noch gar nicht, was ich für eine
Patientin habe. Ich habe es ihm auch nicht gesagt – er wäre glaube ich nicht
einverstanden gewesen, weil sie eben relativ unklar ist. Wenn er mich
allerdings freitags um 16 Uhr mit „Such Dir bis Montag eine andere geeignete
Patientin“ entlassen hätte, hätte mir das auch nicht geholfen. Das wollte ich
verhindern.
Ab morgen ist übrigens der Psychiatrie – Oberarzt wieder da. Ehrlich
gesagt vermute ich, dass die Chancen auf eine Antwort – Mail nicht sonderlich
hoch stehen. Die Mail meiner Therapeutin muss eine der ersten in seinem Urlaub
gewesen sein; ich vermute, die wird in den hunderten Mails einfach untergehen.
Auf eine andere Mail warte ich auch noch – ich verstehe nicht, warum
die Menschen nicht mal einen Satz zurück schreiben können. Der kann ja auch
lauten: „ich habe es gesehen, aber aktuell keine Zeit.“ Oder „Mondkind, ich
kann Dir da auch nicht helfen.“ Aber immer diese Warterei – das macht mich
irre.
Hinsichtlich Mamas Freund habe ich übrigens nicht mehr, als drei Sätze
gehört. Er hat die OP wohl überstanden, das ist alles, was ich weiß. Aber wenn
man nichts Negatives hört heißt das wahrscheinlich, dass alles okay ist. (Viel eher hat mir meine Schwester in einer whatsApp darüber berichtet, dass sie überlegt, ihren Facharzt auch in diesem Ort zu machen... ) Ich
bin nur immer noch ein bisschen enttäuscht. Das ist ja absolut kein Problem
eine medizinische Frage an mich heran zu tragen. Ob ich helfen kann, ist etwas
anderes, aber ich kümmere mich auch gern um Menschen, die mir nicht so nah
stehen. Ich kann die Überforderung meiner Mutter und ihres Freundes in der
Situation schon nachvollziehen. Wenn man keine Ahnung von Medizin hat, ist man
mit einer Entscheidung, die einem die Mediziner überlassen, schnell
überfordert. Man kann die Vor- und Nachteile ohne Hintergrundwissen ja auch
schwer abwägen.
Aber dass sich keiner hinterher die Mühe macht, mal kurz anzurufen –
das finde ich so schade. Das muss ja auch nicht sofort sein, ich kann schon
verstehen, dass die alle genug mit sich selbst beschäftigt sind. Aber mit etwas
Abstand. Dass ich die ganze Nacht das Handy auf laut und das wlan eingeschalten
hatte – auf die Idee kamen die wahrscheinlich gar nicht.
Aus solchen Aktionen wird dann für mich immer deutlich, dass sie mich
wahrscheinlich tatsächlich für so egoistisch halten, wie sie mir das immer vor
die Füße knallen. Und dass einfach keine Möglichkeit ausgelassen wird, mir ein deutlich
zu machen, dass ich einfach nicht mehr dazu gehöre.
Ich versuche jetzt nochmal Motivation aufzubringen und in die Unterlagen zu schauen...
Allen Lesern einen schönen Wochenstart!
Mondkind
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