Zurück im Labor und Erkenntnisse aus der Ambulanz
Der erste Tag „zwischen der Maulwurfzeit“ ist schon wieder Geschichte.
Naja… - noch nicht ganz. Auf mich wartet heute noch ein halbes Endspurt –
Script, das ich zusammenfassen und formatieren muss. Eines der beiden fehlenden
Psychiatrie – Scripte. Wenigstens interessiert mich die Thematik – da ist das
nicht ganz so schwierig auf den späten Abend.
Schon relativ früh haben mich meine Beine heute Morgen wieder ins
Labor getragen. Wie hat sie mir gefehlt – die Umarmung in aller Früh. Und dann
habe ich mich mit einem Kaffee an das Mikroskop verzogen, mir meinen
Lieblingsradiosender eingeschalten und habe angefangen meine Arbeit wieder
aufzunehmen. Ein bisschen gedanklich woanders bin ich beim letzten Mal im Labor
wohl schon gewesen – einige Bilder waren falsch benannt, aber das Problem
ließ sich schnell beheben.
Der MTA hat mir auch mitgeteilt, dass heute Mittag in unserem Institut
die alljährliche Weihnachtsfeier stattfindet. Naja… - ich muss ganz ehrlich
sagen: Ob die Doktoranden da auch hin dürfen, war mir nicht so klar. Eine
Einladung hatte ich jedenfalls nicht bekommen und wenn unser MTA das gesamte
Labor mitnimmt ist das etwas anderes, als wenn man ungefragt dazu stößt. Das
würde aber ein schwieriges Unterfangen werden, weil ich genau zur Startzeit der
Feierlichkeit noch im EKG festhängen würde.
Dahin führte mich dann heute Mittag mein nächster Weg. Zunächst musste
ich in die Ambulanz zum Blutabnehmen und dann rüber in die Tagesklinik, um dort
ein EKG schreiben zu lassen. So viel Zeitaufwand in zwei verschiedenen Gebäuden
für zwei solch kleine Untersuchungen. Naja… spannend fand ich ja, dass die Arzthelferin
mir ganz selbstverständlich das EKG in die Hand gedrückt hat und meinte, dass
ich das selbstständig mit zur Ärztin nehmen soll. Sonst bekommt man ja gar
nichts ausgehändigt – nicht mal den Arztbrief habe ich bisher gesehen. Aber da
konnte ich die Gelegenheit gleich nutzen und selbst mal drüber schauen. Ich bin
natürlich keine Kardiologin und seltener vorkommende Dinge würde ich
wahrscheinlich nicht sehen, aber was die Basics betrifft und auch alle
möglichen Zeitabstände, die es da so gibt, liegt alles im Normbereich. Das ist
schonmal schön, nachdem mein Blutdruck ja manchmal etwas zu hoch ist.
Auf dem Weg zurück ins Labor fing mich unser Biologiestudent ab und
rief: „Mondkind, ich würde da jetzt nicht rein gehen…!“. Ich sah in völlig
entgeistert an, ehe ich es auch hörte. Feueralarm im Gebäude. Hatten wir lange
nicht, würde ich sagen. Kaum bin ich den ersten Tag wieder im Labor, geht es
schon wieder los.
Allerdings gibt es wohl mittlerweile die Regelung, dass die Feuerwehr
dann noch einmal separat von einem Mitarbeiter angerufen wird, wenn es
Fehlalarm gibt und sie dann nur einen Menschen los schicken, der sich
vergewissert, dass es nicht brennt. Im Fall, dass es doch brennt, wird dann Verstärkung
gerufen.
Als wir wieder ins das Gebäude durften, lief noch ein Techniker mit einer Mitarbeiterin über den Flur und
gerade als der Praktikant und ich die beiden überholten, sagte der Techniker: „Okay,
und das liegt jetzt also an den Autosklaven…“ „Autoklaven, aber ja…“,
verbesserte die Mitarbeiterin und der Praktikant und ich mussten sich bemühen
erst in einiger Entfernung zu lachen.
Aber in gewisser Hinsicht ist das mit den Autosklaven gar kein
schlechter Scherz – auch, wenn das nicht so gewollt war.
Da nun sowieso Chaos herrschte, kam der MTA noch mal runter und
sammelte mich doch noch ein, sodass ich auf die Feier konnte. Es war auch ganz
gut, um mal wieder einige Kontakte zu knüpfen. Nächstes Jahr werde ich der
Grafikerin wieder einige meiner Zeichnungen zukommen lassen, aus denen sie dann
versucht, ein Modell zu erstellen. Beim ersten Mal war das schief gegangen und
ich sehe da ehrlich gesagt nicht so eine riesige Verbesserung, aber sie sagte,
dass sie sich jetzt vorstellen könnte, dass es etwas wird – auch wenn ihr
Optimismus immer noch ein wenig begrenzt ist.
Von der Weihnachtsfeier blieb noch eine Menge übrig und deshalb hat
unser MTA mir noch eine große Dose selbst gemachten Nudelsalat in die Hand
gedrückt. Ich hatte mich schon gefragt, woher ich nach dem Ambulanztermin noch
die Motivation nehmen soll einkaufen zu gehen, aber damit war das Problem ja
nun behoben. Davon kann ich locker zwei Tage essen. Und ganz im Ernst… - wann
mache ich mir denn schon mal den Aufwand und koche irgendetwas? Für die Uni reicht die Kraft ja gerade noch so, aber dann noch kreativ werden, geplant Einkaufen und so etwas... bei mir gibt es immer dasselbe, das ist am Einfachsten und geht auch immer mit Matschhirn.
Von daher bin ich wirklich froh in den nächsten beiden Tagen etwas
sehr leckeres zu essen zu haben…
Den Wäscheständer habe ich heute auf dem Heimweg sogar auch mal
mitgenommen. Das ging sogar mit dem Fahrrad, weil er sich sehr klein
falten lässt.
Und dann… - ja, dann stand am späten Nachmittag noch die Ambulanz auf
dem Programm.
Intention war es, Ordnung in die Gedanken zu bringen.
Es war auf jeden Fall eine super gute Idee, einen Zettel mitzunehmen.
Ich habe gemerkt, dass es mir schon schwer gefallen ist zuzugeben, dass die
letzte Woche sehr schwierig war.
Auf dem Zettel ging es um diesen Konflikt dieser verschiedenen Teile
in mir, den ich hier auch letztens thematisiert hatte. Dass es da schon den
Teil der Hoffnung gibt, aber auch ganz viel Dunkelheit und dass es da auch
einen Teil gibt, der sich zwar nicht aktiv dafür entscheiden wird das Leben zu
beenden, weil er dazu einfach zu viel Anstand hat, aber dass er eben in
schwierigen Situationen auch unberechenbar wird und das für mich so generell
schon ein Fakt ist, dass es früher oder später so endet. Nur die wann – Frage,
die kann ich halt nicht beantworten, weil dazu ja eine gewisse Distanz von mir
selbst nötig ist, die aber nur dann entsteht, wenn es mir zu lange zu schlecht
geht.
Im Endeffekt… ich weiß nicht, was ich erwartet habe. Dass man die
kaputten Teile nicht einfach wieder zusammen flicken kann, ist mir klar, dass
keiner mir den Zustand abnehmen kann und ich die Einzige bin, die ihn wohl oder
übel wird aushalten müssen, auch.
Wir haben ein wenig überlegt, was denn die negative Seite haben
könnte. Ob sie enttäuscht ist, oder wütend, oder ob sie Angst hat. Aber ich
weiß das wirklich nicht und ich komme mir immer so dämlich dabei vor, das nicht
sagen zu können.
Dann haben wir überlegt, was die Funktion der negativen Seite sein
könnte und da ist es mir glaube ich gut gelungen deutlich zu machen, dass sie
für mich eine „leidenslimitierende“ Funktion hat. Ich weiß, ich muss das nicht
ewig machen. Wenn das irgendwann zu schlimm wird, springt da ein Automatismus
an und das ist in gewisser Hinsicht Erleichterung.
Gedankenanstöße gab es schon eine Menge: Dass es ja zum Beispiel sein
könne, dass ich es mir gar nicht erlaube glücklich zu sein und dann diese
negative Seite wieder rein grätschen muss, um zu verhindern, dass es zu positiv
wird.
Eine weitere Überlegung war, dass ich ja ein sehr perfektionistischer
Mensch bin und sich das vielleicht nicht nur auf die Leistung beschränkt.
Perfektionisten würden auch sehr stark zu schwarz – weiß denken neigen und ein „mittelgut“
gibt es bei denen nicht, sodass genau dieser Zustand dann ganz schnell wieder
ins negative kippt und „mittelgut“ gar nicht bei mir ankommt.
Sie hat mir auch noch eine Strategie für negative „Gefühle“ an die Hand
gegeben. Leere ist ja gar kein richtiges Gefühl, aber irgendetwas ist ja
trotzdem da, also passt das schon. Ich soll mich versuchen, auf meine Sinne zu
konzentrieren und die Aufmerksamkeit darauf lenken. Zum Beispiel, was ich
gerade höre, was ich gerade rieche, wie der Stuhl sich gerade unter mir anfühlt
und wenn ich auf die Art etwas zur Ruhe gekommen bin, soll ich etwas tun, das
mich ablenkt.
Klingt erstmal schwierig, aber ich werde das auf jeden Fall versuchen.
Vielleicht ist es ja auch etwas für den einen oder anderen Leser –
deshalb die ausführliche Beschreibung.
Und ich soll nicht so viel schreiben… ;)
Bloß gut hat sie keine Ahnung von den Ausmaßen dieses Blogs… sie würde glatt
noch meinen PC konfiszieren… ;)
Letzten Endes war der Termin also eigentlich recht produktiv –
allerdings muss ich sagen, dass mir das irgendwie zu theoretisch bleibt. Also
ob ich mir das nun erlaube glücklich zu sein oder nicht, oder ob „mittelgut“ im
schwarz – weiß - denken unter geht – es bringt mich erstmal nicht weiter.
Letzten Endes muss ich das alles allein aushalten und jetzt muss ich
wieder zwei Wochen allein unterwegs sein (dazwischen ist noch ein Arzttermin,
aber der zählt mal nicht so richtig, weil ich der Ärztin mit der Thematik mal
gar nicht kommen muss).
Ganz am Ende hast Du eben alle paar Wochen mal jemanden, der das mit
Dir für eine Stunde aushält und eine Situation in der Du sicher sein kannst,
dass negatives Erleben zwar nicht verhindert, aber aufgefangen wird und das
lohnt sich doch alles irgendwie nicht so richtig.
Zwischendurch meinte sie im Gespräch mal zu mir, dass sie mich jetzt
nicht auf die Geschlossene steckt – ich glaube, sie hat befürchtet, dass ich
das befürchte. Manchmal denke ich mir, dass es mir langsam wirklich egal ist –
irgendwie wird es schon klappen mit dem Lernplan, solange das jetzt nicht
zwischen Februar und April passiert. Aber letzten Endes können die auf der
Station eben auch nichts machen, da musst Du das auch aushalten mit dem
Unterschied, dass Du in Deiner Tagesgestaltung eben nicht mehr frei bist. Das Einzige das die machen könnten, wäre einen mit Tavor ein wenig abzuschirmen –
das würde vielleicht tatsächlich mal die Schwere für ein paar Stunden von der
Seele nehmen.
Ich muss es ja nicht immer wiederholen – das soll ja kein Jammer –
Blog werden – aber ich habe keinen Plan, wie das jetzt hier weiter gehen soll.
Es fühlt sich nicht so an, als ging es noch lange. Aber ich kenne mich ja. Es
geht immer irgendwie, wenn es gehen muss.
Im Endeffekt hilft wahrscheinlich einfach nur Geduld. Vielleicht kommt
die Psyche irgendwann wirklich hinterher. Aber Geduld… - das sag mal jemanden,
für den jeder einzelne Tag eine unfassbare Herausforderung ist.
Alles Liebe
Mondkind
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